Nach dem Bauchspeicheldrüsenkrebs ist das Lungenkarzinom die tödlichste Krebsart. Während in Österreich derzeit 61,5 Prozent der Patienten mit einer neuen Krebsdiagnose die folgenden fünf Jahre überleben, sind es beim Pankreaskarzinom lediglich zehn Prozent, beim Lungenkrebs 20 Prozent. Neue Verfahren und Therapien könnten dazu beitragen, diesen Unterschied zu verkleinern. Die Wege dazu scheinen vielversprechend zu sein, wie Experten des Lungenkrebs-Kompetenzzentrums des Krankenhaus Nord-Klinik Floridsdorf am Dienstag betonten. So konnten in den letzten Jahren sowohl die Behandlungsergebnisse als auch die Verträglichkeit deutlich verbessert werden.

Noch im Jahr 2008 hätte man neben der Chirurgie ausschließlich eine Chemotherapie als Behandlungsform zur Verfügung gehabt. Heute stehen mit Arzneien, die zielgerichtet bei einzelnen Unterarten von Lungenkarzinomen wirken, und mit der modernen Immuntherapie völlig neue Wege zur Verfügung, stellte der Onkologe Maximilian Hochmair von der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie fest.

4500 Neudiagnosen pro Jahr

In Österreich werden pro Jahr ungefähr 4500 Neudiagnosen bei Lungenkrebs gestellt, 4000 Menschen sterben an der Erkrankung. "75 Prozent der Fälle werden derzeit erst im Stadium III oder IV entdeckt, in dem eine Heilung nur noch schwer bis gar nicht möglich ist", berichtete Abteilungsvorstand Arschang Valipour. In manchen Fällen sei es jedoch bereits möglich, eine chronische Erkrankung daraus zu machen und das Leben deutlich zu verlängern.

Moderne Verfahren könnten künftig auch eine wesentlich bessere Früherkennung ermöglichen. Einer internationalen Studie zufolge lässt sich mittels regelmäßiger Niedrig-Dosis-Computertomographie (Low-Dose-CT) von langjährigen Rauchern mit dem höchsten Erkrankungsrisiko die Lungenkrebs-Mortalität um ein Fünftel bis ein Viertel reduzieren.

Zu den Kritikpunkten eines solchen Screenings gehören allerdings die erforderliche Gesamtzahl an Personen, die untersucht werden müssten, um zumindest einen Patienten mit Lungenkrebs im Frühstadium zu identifizieren sowie die etwaige Strahlenbelastung bei wiederholten Untersuchungen, führte der Experte aus. In Österreich empfehlen die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie sowie die Österreichische Röntgengesellschaft - in Übereinstimmung mit der Haltung der Europäischen Gesellschaften -, die Low-Dose-CT derzeit ausschließlich im Rahmen von Studien einzusetzen.

Bluttest und Atemanalyse

In Zukunft könnten aber auch Screening-Bluttests auf zirkulierende Tumor-DNA oder Atemgasanalysen im Bereich der Früherkennung angewendet werden. Modernste Bronchoskopieverfahren zur Gewinnung von Gewebeproben aus den Bronchien im Verdachtsfall weisen derzeit eine Treffergenauigkeit von 70 bis 80 Prozent auf. Früher waren es nur 30 bis 50 Prozent.

Bei richtiger Diagnose und Behandlung könnten bereits Fünf-Jahres-Überlebensraten von 25 Prozent erreicht werden, sagte Hochmair. Bis vor einigen Jahren sei das undenkbar gewesen. Und die Entwicklungen schreiten weiter voran.(apa/gral)