Die Covid-Epidemie kann unter Kontrolle gebracht werden, sofern der Erreger den Gesundheitsbehörden nicht "davonläuft". Entscheidender Faktor dabei ist das schnelle Erkennen einer Infektion ab Symptombeginn, haben jetzt Experten der London School of Hygiene in Computersimulationen berechnet.

Die Experten haben mathematische Modelle für die Ausbreitung von SARS-CoV-2 entwickelt und unter verschiedenen Parametern rund 1000 Mal durchgerechnet. Je schneller sich Personen mit Coronavirus-Verdacht melden oder identifiziert werden, desto besser. "Die Zeitverzögerung zwischen Auftreten von Symptomen und der Quarantäne von Betroffenen hat eine große Bedeutung für die Kontrolle von Ausbrüchen", schrieben die Wissenschafter im Fachblatt "Lancet". Es ist also Eile geboten, wenn es um das Auffinden von Erkrankten, Auffinden von Kontaktpersonen und um  Quarantänemaßnahmen geht.

Doppelt positiv getestete Patienten

In Japan machte der Fall einer Frau die Runde, bei der nach überstandener Coronavirus-Erkrankung offenbar eine zweite Ansteckung auftrat. Seitdem gibt es Diskussionen über einen möglichen zweistufigen Krankheitsverlauf. Eine Studie chinesischer Forscher im Fachblatt "JAMA" weist in diese Richtung; internationale Experten sehen das laut deutschem Science Media Center (SMC) eher skeptisch.

Neben dem Fall in Japan, bei dem eine rund 40 Jahre alte Frau Tage nach ihrer Genesung erneut Symptome bekam, und in der Folge ein zweites Mal positiv getestet wurde, berichten Wissenschafter vom Zhongnan Hospital der Universität von Wuhan - den Epizentrum der Epidemie in China - und Peking im "Journal of the American Medical Association" (JAMA) über vier weitere ähnliche Fälle: Alle Patienten wurden Anfang des Jahres mit dem neuen Coronavirus (Covid-19) angesteckt und erholten sich wieder.

Patienten unter Beobachtung

Bei den Infizierten waren zumindest an zwei Tagen in Folge Tests auf den SARS-CoV-2-Erreger negativ. Fünf bis 13 Tage später fielen allerdings wieder mehrere Reverse Transkritase-PCR-Tests positiv aus. In Gegensatz zu der Japanerin zeigten die vier Patienten allerdings keine erneuten Symptome. Die chinesischen Forscher führen die Einschränkungen ihrer Studie unter anderem hinsichtlich der sehr kleinen Fallzahl und der Tätigkeit der Teilnehmer in Gesundheitseinrichtungen prominent an, sehen aber die Notwendigkeit, Patienten im Verlauf nach der Erkrankung verstärkt weiter zu beobachten.

Für den an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York (USA) forschenden österreichischen Virologen Florian Krammer ist die einfachste Erklärung für die zwischendurch negativen Tests bei den vier Studienteilnehmern aus China, dass "etwas bei der Probennahme oder aber beim Testen schief gelaufen ist". Da der Test nach dem Erbgut des Virus fahndet, sage ein positiver Test nur wenig über die Ansteckungsgefahr aus, die von einer Person aktuell ausgeht: "Es kommt sehr wohl oft vor, dass noch Virusgenom vorhanden ist, aber kein infektiöses Virus mehr. Bei Masern ist das oft über Monate der Fall." Auch angesichts des Falles der japanischen Patientin sei es aus wissenschaftlicher Sicht auf jeden Fall wichtig, "genesene Patienten weiterzuverfolgen, weil wir noch keine Ahnung von Langzeitauswirkungen von COVID-19 haben", so Krammer zum SMC.

Skeptisch zeigte sich auch der Direktor des Instituts für Virologie der Berliner Charité, Christian Drosten: Er sei von dem Befund der chinesischen Experten nicht überzeugt. Immerhin könne der PCR-Nachweis "nach der ersten Symptomwoche bei Patienten schwanken: einmal positiv, einmal negativ, während die Lunge immer noch voller Virus ist, und zwar unabhängig von den Symptomen". Die wissenschaftliche Grundlage der Arbeit in "JAMA" sei "porös". Auch aufgrund der Empfindlichkeit des PCR-Test sollte man äußerst vorsichtig sein, die erneut positiven Ergebnisse als erneute Infektion zu werten, so auch Isabella Eckerle vom Universitätsklinikum Genf.(apa)