Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel, sondern sind abhängig von einer Versorgung durch die Wirtszelle. Nachdem die Virusvermehrung einen extrem hohen Nährstoffbedarf nach sich zieht, haben die Krankheitserreger Strategien entwickelt, die Wirtszellen zur vermehrten Nährstoffaufnahme zwingen. Ein ungestörter Infektionszyklus ist nur mit einem gesteigerten Umsatz möglich. Hier setzen nun Wiener Forscher an. Sie wollen Viren aushungern, indem sie ihren Zugang zu Stoffwechselprodukten der Wirtszellen hemmen.

Das menschliche Rhinovirus. - © Wikicommons/https://www.rcsb.org/structure/1k5m
Das menschliche Rhinovirus. - © Wikicommons/https://www.rcsb.org/structure/1k5m

Ein Start-up der Medizinischen Universität Wien, die "G.ST Antivirals GmbH", hat nun eine wirksame Substanz identifiziert, die gegen Rhinoviren - den Auslösern von Schnupfen - wirkt. Das Team um Guido Gualdoni und Johannes Stöckl hat herausgefunden, dass diese besonders empfindlich reagieren, wenn man ihre Zuckerverwertung hemmt. Mithilfe der 2-Deoxyglykose lasse sich das Virus innerhalb der Zelle erfolgreich aushungern. "Durch kostengünstige Produktion und gute Wirksamkeit besitzt das Molekül die optimalen Voraussetzungen für eine breite Anwendung im Bereich der Schnupfentherapie", heißt es in einer Aussendung. Nachdem bereits viele Daten zur guten Verträglichkeit der Substanz vorliegen, will das Start-up noch heuer mit klinischen Tests in Wien beginnen.

Die Idee könnte auch ein Ansatz für eine Therapie gegen das Coronavirus sein, heißt es. "Nachdem alle Viren auf den Wirtszellmetabolismus angewiesen sind, arbeiten wir derzeit auch verstärkt an der Erprobung dieser Therapiestrategien gegen andere Viren, wie etwa Coronaviren", betonen die Forscher.