In präklinischen Studien ist ein US-Forscherteam auf ein Medikament gestoßen, das das Wachstum von Tumorzellen vollständig stoppt, kraftvoller ist als herkömmliche Chemotherapeutika, weniger Nebenwirkungen hervorruft und eine bessere Fähigkeit zur Überwindung von Resistenzen aufweist. Darüber berichten die Forschenden der University of Texas, des MD Anderson Cancer Center und des in Austin ansässigen Biotech-Unternehmens OncoTEX im Fachblatt "Pnas". Das Medikament basiert auf einer Platinverbindung.

Die sternenförmigen Moleküle beherbergen die Droge. - © iQ Group Global
Die sternenförmigen Moleküle beherbergen die Droge. - © iQ Group Global

Wer an bestimmten Formen von Krebs, wie etwa Eierstock- oder Darmkrebs, erkrankt, erhält im Rahmen der medikamentösen Therapie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein platinhaltiges Präparat. Häufig im Einsatz sind etwa Cisplatin, Carboplatin oder Oxaliplatin. Diese Chemotherapeutika verursachen vielfach toxische Nebenwirkungen wie Nierenschäden. Oft verlieren sie auch an Wirksamkeit, wenn Krebszellen Resistenzen bilden.

Lieferwagen transportiert Platin

Die neu entdeckte Platinverbindung weise Modifikationen auf, die es nicht nur für gesunde Zellen weniger toxisch macht, sondern auch die Entwicklung von Resistenzen für Krebszellen erschweren. "Als Krebsforscher und Krebsüberlebender bin ich begeistert von der Tatsache, dass unsere Verbindung vielversprechend für platinresistenten Eierstockkrebs und platinresistenten Darmkrebs ist, die beide schlechte Prognosen haben", betont der Chemiker Jonathan Sessler von der University of Texas.

Der Medikamentenkandidat OxaliTEX besteht aus zwei Teilen: einem sternförmigen Molekül namens Texaphyrin, das wie eine Art Lieferwagen wirkt, und einer modifizierten Version eines Platinmedikaments, das wie ein toxisches Paket für Krebszellen wirkt.

In ihrer Studie verglichen die Forschenden die relative Wirksamkeit des neuen Medikaments mit Carboplatin bei Mäusen mit Tumoren. Die Tiere, die das herkömmliche Präparat erhielten, zeigten keine Verringerung des Tumorwachstums. Bei den mit OxaliTEX behandelten Mäusen hörte der Krebs vollständig auf zu wachsen.

Eine "große Botschaft"

"Wir hoffen, dass wir mit einer optimierten Dosis diese Tumoren möglicherweise vollständig auslöschen können", betont einer der Erfinder, Jonathan Arambula. Die neue Substanz verursachte zudem wesentlich weniger Nebenwirkungen als etwa Oxaliplatin. "Wir haben etwas geschaffen, das besser vertragen wird als derzeit zugelassene Medikamente", sagt Arambula. "Das ist die große Botschaft."

Als nächstes planen die Wissenschafter, umfangreichere toxikologische Studien durchzuführen, und hoffen, dass diese, sofern diese gut verlaufen, innerhalb von zwei Jahren im Rahmen einer klinischen Phase-1-Studie am Menschen starten können.