Medizinische Einzelmeinungen und darauf aufbauende Fake News haben vor kurzem einen Zusammenhang zwischen Covid-19-Erkrankungen und der Einnahme bestimmter Blutdruckmedikamente hergestellt. Nach dem Rektor der MedUni Wien, Markus Müller, und dem Wiener Pharmakologen Michael Freissmuth am Wochenende reagierte am Dienstag auch die Österreichische Kardiologische Gesellschaft. Ihr Fazit: Nichts dran.

Die Berichte hätten zu einer Verunsicherung vieler Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck und Herzinsuffizienz geführt, da ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker sehr häufig und wirksam bei diesen Erkrankungen eingesetzt werden, stellte die Fachgesellschaft fest.

Präparate verursachen kein höheres Risiko

"Immunsupprimierte Patienten, ältere multimorbide Patienten, Patienten mit Lungenvorerkrankung, aber auch Diabetiker und Patienten mit chronischen Herzerkrankungen sind generell als Risikopatienten zu klassifizieren und sollten sich daher ganz besonders schützen. Als Österreichische Kardiologische Gesellschaft (ÖKG) empfehlen wir, eine bestehende Medikation mit ACE-Hemmern und Angiotensin-Rezeptor-Blockern unbedingt beizubehalten. Ein Absetzen der Medikamente oder ein Wechsel auf andere Präparate ist nicht indiziert und sollte wegen des Risikos eines akuten Herzinfarktes oder Schlaganfalls unbedingt vermieden werden", unterstrich Peter Siostrzonek (Ordensklinikum Linz), Präsident der ÖKG, in einer Presseaussendung.

Der postulierte Zusammenhang zwischen einer COVID-19-Infektion und den genannten Medikamenten sei rein spekulativ.

Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz für eine negative Auswirkung der Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika oder von ACE-Hemmern bzw. Sartanen bei Covid-19-Patienten oder Infizierten, hatten Samstagabend der MedUni Wien-Rektor Markus Müller und der Leiter des MedUni Wien-Zentrums für Physiologie und Pharmakologie, Christian Freissmuth, gegenüber der APA gesagt. Bereits zuvor hatte sich zu der Frage auch die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) geäußert. (apa)