Paris. Europa beginnt mit klinischen Tests von vier experimentellen Methoden zur Behandlung der Lungenerkrankung Covid-19. An rund 3200 Probanden kämen die Mittel Remdesivir, Lopinavir sowie Ritonavir mit oder ohne die Wirkstoffe Interferon Beta und Hydroxychloroquin zum Einsatz, teilte die französische staatliche Forschungseinrichtung Inserm mit.

Remdesivir hat ein breites Wirkspektrum gegen Coronaviren, Ebolaviren und RS-Viren im Respirationstrakt. Lopinavir ist ein antiviraler Wirkstoff aus der Gruppe der HIV-Proteasehemmer zur Behandlung von Infektionen mit dem HI-Virus. Ritonavir ist ein HIV-Proteaseinhibitor und wird zur Therapie von HIV und Aids eingesetzt.

Getestet werden sollen die Arzneien an Patienten in Frankreich, Deutschland, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien, die mit Sars-CoV-2 infiziert sind und deswegen in einem Krankenhaus behandelt werden. Der Generaldirektor im französischen Gesundheitsministerium, Jerome Salomon, erläuterte, die Medikamente würden "unter strikter Aufsicht" getestet. Die Testreihe trage den Namen "Discovery" (Entdeckung).

Parallel laufen randomisierte klinische Tests zu denselben Medikamenten unter der Führung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter dem Namen "Solidarity" (Solidarität). Mehrere tausend Patienten aus aller Welt sollen hierbei getestet werden. Laut Ana Maria Henao-Restrepo vom WHO-Department für Impfungen könne sich das Design laufend ändern, Zwischenergebnisse würden engmaschig registriert. Auch weitere Medikamente könnten hinzukommen. Für eine Aufnahme in die Testreihen könnten Ärzte die Daten von Covid-19-Patienten plus etwaige Vorerkrankungen auf der Website der WHO eintragen.

Weltweit hatten sich bis Montag nach offiziellen Angaben 324.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, rund 14.400 starben.

In Salzburgs Landesklinken steht offenbar ein Medikament zur Verfügung, das die Schwere der CoV-Infektion um 90 Prozent verringern soll. Allerdings seien die Daten noch nicht publiziert: "Ein Medikament, das normalerweise gegen Krebs verwendet wird, kann den Entzündungssturm bei schweren Fällen bremsen. Die Daten zeigen, dass damit eine Verminderung von 90 Prozent in der Schwere der Erkrankung zu erreichen ist", erklärt Primar Richard Greil, der auch ein zweites Medikament zum Einsatz bringt: Hierbei handle es sich um eine einmalige Infusion, die eine direkte Wirkung gegen das Virus haben soll. Nach Krankenhäusern in China werden die Präparate nun in einem Testprogramm an den Salzburger Landeskliniken verwendet.

Wie die "Wiener Zeitung" berichtete, leistet auch der japanische Pharmakonzern Takeda mit Sitz in Wien Arbeiten für ein schnelles Gegenmittel. Er entwickelt Hyperimmunglobulin-Präparate mit konzentriertem Inhalt von Antikörpern gegen Sars-CoV-2 aus dem Plasma von Patienten, die die Covid-19-Erkrankung überstanden haben. Früher hieß diese Methode "Passivimpfung". Das Prinzip dahinter: Der Mensch übersteht eine Infektionskrankheit vor allem dadurch, dass der Körper nach einer Ansteckung mit einem Keim eine Immunantwort in Gang bringt. Sie wird durch Antikörper vermittelt, anfänglich durch Immunglobulin M. Nach etwa einer Woche setzt die Produktion von spezifischen Immunglobulin G-Antikörpern durch B-Zellen ein. Dadurch wird die Infektion besiegt. Genesene tragen dann diese Antikörper im Blutplasma. Sie schützen vor weiteren Infektionen.

Das Erfolgsprinzip von Passiv-Impfungen ist, Personen, die die Krankheit noch nicht hatten, Antikörper von bereits Genesenen zu schenken. Immunglobuline bieten einen sofortigen Schutz, der aber anders als eine aktive Impfung nur für etwa drei Monate anhält. Takeda ist ein führender Anbieter von aus Spenderplasma gewonnen Therapien. "Wir nehmen an, schon binnen neun bis 18 Monaten unser Medikament zur Zulassung bringen zu können", sagt Thomas Kreil, Chef der Entwicklungszentrale in Österreich.