New York. Im Kampf gegen das Coronavirus setzen Wissenschafter große Hoffnungen in den Wirkstoff Remdesivir. Er gilt als einer der erfolgversprechendsten Substanzen und wird in einzelnen Fällen bereits zur Behandlung von Patienten eingesetzt. In mehreren Ländern finden klinische Studien statt. In einer solchen soll Remdesivir als Mittel gegen die vom Virus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 schlichtweg durchgefallen sein. Laut "Financal Times" gelang es nicht, den Gesundheitszustand der Patienten zu verbessern. Die Zeitung berief sich auf ein kurzzeitig auf der Webseite der Weltgesundheitsorganisation WHO abrufbares Abstract der Studie.

- © apa/asp/Pool/Ulrich Perrey
© apa/asp/Pool/Ulrich Perrey

Diese Zusammenfassung war offenbar aus Versehen darauf zu sehen. Demnach waren bei dem klinischen Test in China 158 Infizierte mit Remdesivir behandelt worden, während eine Kontrollgruppe von 79 Patienten das Mittel nicht erhielt. Nach einem Monat waren den Berichten zufolge 13,9 Prozent der Probanden, denen Remdesivir verabreicht worden war, gestorben. In der Kontrollgruppe waren es 12,8 Prozent.

Der US-Pharmakonzern Gilead Sciences, der das Mittel entwickelt hat, wies die Darstellung der Studienergebnisse in den Berichten zurück. Der auf der WHO-Webseite veröffentlichte Beitrag sei eine "unangemessene" Zusammenfassung des Experiments. Die Studie sei wegen geringer Beteiligung vorzeitig beendet worden und daher statistisch nicht signifikant. Zudem sei aus den Daten ein "möglicher Nutzen von Remdesivir" abzuleiten, insbesondere bei Patienten in einem frühen Krankheitsstadium.

Letzte Woche noch Hype

Laut der auf Gesundheitsthemen spezialisierten Webseite Stat hatte das Mittel bei Corona-Patienten in einem Krankenhaus in Chicago hingegen sehr wohl große Wirkung gezeigt. Vorläufige Teilergebnisse von zwei weiteren wissenschaftlichen Studien mit dem möglichen Covid-19-Therapeutikum haben erst Ende vergangener Woche für einen regelrechten (Aktien-)Hype gesorgt. Nach Bekanntwerden der nunmehrigen Ergebnisse ging der Kurs wieder nach unten.