Wien. Die Vorfahren der Menschen schwangen sich nicht zuerst ausschließlich von den Bäumen und nutzten die Hände erst später zum Werken. Sondern sie taten beides. Das berichtet ein Team mit österreichischer Beteiligung in "Nature Ecology and Evolution". Die Fingerknochenstruktur eines zwei Millionen Jahre alten Menschenartigen zeigt, dass dieser kletterte, jene seines Daumens zeigt aber, dass er auch mit Gegenständen hantierte.

Das Team der britischen Universität Kent untersuchte mittels Computertomographie die Innenstruktur von Handknochen eines Australopithecus-sediba-Individuums aus Südafrika. Zuvor war nur bekannt, dass diese Menschenartigen auf zwei Beinen gingen.

Vom Baum auf den Boden

Von der Anatomie können auch heutige Menschen sowohl klettern als auch hantieren. Die innere Knochenstruktur verrät aber, wozu Hände tatsächlich gebraucht werden. Kleine Balken (Trabekel) aus Knochengewebe bauen sich während des Lebens je nach Belastung um, sagt Dieter Pahr von der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems und der TU Wien. Mit seiner Auswertungsmethode könne man Informationen auslesen, die in den Knochen gespeichert sind.

"Wenn man die Hände zum Jagen, Essen zubereiten, Werkzeuge machen und Behausungen bauen nutzt, sind die Belastungen geringer, als wenn man klettert oder auf allen vier Gliedmaßen läuft", so Pahr. Beim Hantieren hält die Hand Gegenstände von ein paar Kilogramm, beim Fortbewegen oft das ganze Körpergewicht. Die Finger von Australopithecus sediba hätten eine Trabekel-Struktur wie ein Orang-Utan, aber die Daumenstruktur passe zu menschenartiger Manipulation. Dies sei eine einzigartige Kombination, die zuvor bei keinem Individuum entdeckt wurde. Der Übergang vom Leben in den Bäumen auf den Boden ging nicht plötzlich vonstatten, sondern erfolgte schrittweise.