Was die kaum fingerglied-große Skulptur darstellt, ist auf den ersten Blick nicht gleich zu erkennen. Ein genauer Blick aber macht alles klar: Was der auch Entwurf für den Griff eines Spazierstocks sein könnte, ist eine Vogel-Skulptur. Aller Wahrscheinlichkeit nach stellt sie einen Sperling dar.

Archäologen haben das aus einem Knochen geschnitzte  Vögelchen entdeckt. Mit einem geschätzten Alter von etwa 13.500 Jahren ist es das älteste bekannte chinesische Kunstwerk. Der Fund in der chinesischen Provinz Henan zeigt, dass Kunsthandwerk mit Tierskulpturen in Ostasien schon 8500 Jahre früher als bisher bekannt existierten, erklärt Forscher Li Zhanyang im Wissenschaftsjournal "PLOS ONE".

Die frühesten Skulpturen sind in Europa entdeckt worden, wie etwa ein 31 Zentimeter großer "Löwenmensch" aus Mammut-Elfenbein in Deutschland, der 35.000 bis 41.000 Jahre alt ist. Ein Pferdefigürchen, das in der Schwäbischen Alb gefunden wurde, wurde auf ein Alter von 38.000 bis 40.000 Jahre datiert. Im Vergleich ist die älteste Österreicherin eine Frau in den besten Jahren: Die Venus von Willendorf ist etwa 30.000 Jahre alt.

Da für andere Teile der Welt nicht klar ist, seit wann Figuren zur Kultur gehörten, ist das chinesische Vögelchen ein wichtiges Puzzleteil und wirft ein neues Licht auf die Entwicklung von Kunst in der Menschheitsgeschichte. (apa/red)