Wien. Schon unsere menschlichen Vorfahren trugen zu Ketten gefädelte Muscheln vermutlich als Schmuck. Das berichtet ein israelisches Forschungsteam anhand von mikroskopischen Analysen, die es im Open Access-Journal "Plos One" veröffentlicht.

Der Umgang mit Muscheln zählt zu den ältesten Ausdrucksformen der Menschheit. Nachweise, dass sie in Afrika und dem östlichen Mittelmeerraum gesammelt wurden, datieren 160.000 Jahre zurück. Die 120.000 Jahre alten Weichtierschalen aus dem steinzeitlichen Fundort in der Qafzeh-Höhle am Stadtrand von Nazareth sind - anders als ältere aus der nahe liegengen Misliya-Höhle - von Natur her gelöchert. Laut den Forschern wurden sie gesammelt und wie Perlen zu Ketten gefädelt.

Abreibungseffekte simuliert

Zum Beweis sammelte das Team von den Universitäten Haifa und Tel Aviv moderne, ähnlich perforierte Muscheln von der Art der Meermandeln. Sie rieben sie gegen Leder, Sand und Stein, um Abreibungseffekte des Tragens nachzuahmen. Dann fädelten sie sie auf wildes Flachs auf. Danach verglichen sie die Abreibungseffekte mit jenen der Originale aus Qafzeh.

Mikroskopische Analysen der fünf best erhaltenen Stücke zeigten ähnliche Spuren wie auf den Simulanten. Auch der Kontakt zwischen den Muscheln wurde nachgewiesen. Daraus schießen die Forscher, dass sie dicht nebeneinander hingen. Vier der fünf Originale wiesen Spuren einer Ockerfarbe auf. Obwohl die symbolische Bedeutung der Muschelketten unklar sei, deute das häufige Vorkommen von Weichtierschalen an steinzeitlichen Fundorten auf ihre Bedeutung hin. Muscheln wurden nicht bloß gesammelt, sondern auch zur Schau gestellt. Laut den Forschenden zählen die Muscheln aus Qafzeh zu den ersten Nachweisen für Ketten-Herstellung - eine Technologie, die wahrscheinlich vor 160.000 bis 120.000 Jahren erfunden worden sei.(est)