Das Rennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 könnte spannender kaum sein. Mehr als 140 Forscherteams arbeiten an der Entwicklung eines sicheren und effektiven Serums. Mittlerweile befinden sich sechs Wirkstoffe in großen Studien mit vielen tausenden Patienten. Die Pharmaforschung spricht dabei von Phase III - dem letzten Schritt vor der Zulassung einer Substanz. Während die Forschergruppen sich im Tempo nahezu überschlagen, besteht das Bestreben der Länder darin, sich Impfstoffdosen von potenziell siegreichen Herstellern zu sichern. Während die USA ihre Bestellliste bereits abgegeben haben dürfte, ringt die EU allerdings noch um Einigkeit mit den Impfstoff-Produzenten, wie zuletzt aus Insider-Kreisen durchsickerte.

Für gewöhnlich dauert die Entwicklung eines Impfstoffes mehrere Jahre, doch bestand die Hoffnung seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie darin, eine Vakzine bereits in zwölf bis 18 Monaten bereitstellen zu können. Ein solcher Wirkstoff ähnelt dem Virus - zumindest in Teilen -, sodass das Immunsystem dazu angeregt wird, Antikörper zu bilden. Impfstoffe sind in der Entwicklung an höhere Sicherheitsstandards gebunden als andere Medikamente, da sie Millionen Gesunden verabreicht werden.

Astrazeneca bis Sinopharm

Nach dem präklinischen Vorlauf im Tierversuch werden Vakzine in drei Phasen am Menschen getestet. Sechs Pharmaunternehmen haben die Phase III bereits gestartet. Als einer der führenden Kandidaten gilt der Wirkstoff vom britischen Konzern Astrazeneca in Kooperation mit der Universität Oxford. AZD12222 hat in einem Test mit mehr als 1000 Freiwilligen positive Ergebnisse erzielt. Die Probanden bildeten Antikörper und sogenannte T-Zellen, die die Immunabwehr unterstützen. Dieser Erfolg war auch bei BNT162b2 von der deutschen BioNTech und dem US-Konzern Pfizer erzielt worden. Der US-Riese Moderna hatte als erstes Unternehmen Mitte März eine klinische Studie der Phase I gestartet und zog nun mit Phase III nach. Der chinesische Impfstoffentwickler Sinovac testet in Brasilien, einem der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder. Der staatliche chinesische Biotechkonzern Sinopharm setzt auf einen inaktivierten Impfstoff, also auf abgetötete Krankheitserreger. Die Universität Melbourne und das Murdoch Children’s Research Institute leiten eine Phase-III-Studie mit einer nahezu 100 Jahre alten Tuberkulose-Vakzine. Sie soll nicht direkt Antikörper gegen Covid-19 bilden, allerdings die Immunantwort boosten.

EU ringt um Verträge

Abseits dieser Entwicklungen soll in Russland einem potenziellen Impfstoffkandidaten schon im August eine Zulassung erteilt werden, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtet. Medizinisches Personal soll sich demnach freiwillig impfen lassen können. Parallel würden breit angelegte Studien zu der vom staatlichen Gamaleja-Institut in Moskau entwickelten Vakzine fortgesetzt, hieß es.

Ebenso Insidern zufolge sollen sich die Verhandlungen der EU-Kommission mit diversen Pharmaunternehmen über die Versorgung mit Covid-Impfstoffen schwierig gestalten. Es hake noch bei einigen Themen, etwa dem Preis, Zulassungsmodalitäten oder Haftungskosten. Die EU spricht mit mindesten sechs Herstellern. Die Preise pro Dosis klaffen weit auseinander. Während die USA zu 40 Dollar pro Impfung bereit sind, liegt die Zielvorstellung der EU bei nur 2,50 Euro.