Die weltweiten Regelungen zum Social Distancing, wie sie im Zuge der Corona-Pandemie aufgestellt wurden, scheinen auch in Bezug auf andere übertragbare Erkrankungen ihre Wirkung zu haben. Erste Daten zeigen etwa, dass sich die Influenza-Infektionsraten auf einem Rekordtief befinden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Aus China wird gemeldet, dass auch Mumps, Masern und einige sexuell übertragbare Erkrankungen erheblich zurückgegangen sind - am stärksten allerdings die saisonale Influenza. Seit dem verordneten Lockdown sei die Zahl der monatlich gemeldeten Infektionen um mehr als 90 Prozent gesunken. Auch Kanada hat unterdessen "außergewöhnlich niedrige Influenza-Werte" gemeldet - ebenso Australien und Großbritannien. "Wir haben in dieser Jahreszeit die niedrigste Rate an anderen Virusinfektionen gesehen", betont Ben Marais, Experte für Infektionskrankheiten an der Universität von Sydney und Kliniker in der Kinderabteilung des Westmead Hospital. "Normalerweise haben wir im Winter Stationen voller keuchender und hustender Kinder, aber dieses Jahr sind die Stationen im Wesentlichen leer", schildert der Mediziner.

Sorge um Immunität

Die WHO schätzt, dass weltweit jährlich etwa drei bis fünf Millionen schwere Erkrankungen und bis zu 500.000 Todesfälle auf das Konto der saisonalen Influenza gehen.

Während Experten betonen, dass dieser Rückgang nicht nur die Zahl der Todesfälle, sondern auch die Belastung für die Gesundheitssysteme verringert, besteht andererseits die Sorge, dass dieser beispiellose Rückgang der Influenza-Fälle die Immunität in den folgenden Jahreszeiten negativ beeinflussen könnte.

"Es kann sein, dass, wenn wir in dieser Saison keine Infektionen haben, es in der nächsten Saison mehr gefährdete Menschen geben wird. Das ist definitiv etwas, das wir sorgfältig überwachen müssen", so Marais.

Eine geringere Zahl einiger Infektionskrankheiten könnte allerdings auch mit einer verringerten Meldequote verbunden sein. So verlautbarte erst kürzlich die WHO in einem Bericht, dass die Zahlen zur Influenzaüberwachung "mit Vorsicht interpretiert" werden sollten, da in einigen Ländern während der Pandemie nur begrenzte Berichterstattungsmöglichkeiten bestehen.