Wiener Forscher verfolgen einen neuen Ansatz, um einen Impfstoff gegen die Lungenkrankheit Covid-19 zu entwickeln. Am Department für Nanobiotechnologie der Universität für Bodenkultur (Boku) wird ein "Nano-Trojaner" entwickelt, der über die Nasenschleimhaut eine Immunisierung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 hervorrufen soll. "Wir haben die Bausteine im Labor, um ein funktionales Nano-Abbild von Viren herzustellen. Dieses Strukturabbild soll über den gleichen Weg wie der Erreger in die Zellen eindringen und dort unser Immunsystem aktivieren", erklärt Studienleiter Uwe Sleytr.

Als bereits bekannte Bausteine für eine virusähnliche Struktur dienen selbstorganisierende-Proteine, die sich S-Schichten nennen. Sie bilden ein molekulares Baukastensystem, das zur Herstellung von stabilen "Nano-Trojanern" für eine neue Impfstoffstrategie eingesetzt wird. Identifiziert und charakterisiert wurden S-Schichten aus dem Reich der Mikroorganismen.

Immunantwort soll auch Virus erkennen

Am Institut für Synthetische Bioarchitekturen der Boku werden unter der Leitung von Eva-Kathrin Ehmoser und Uwe Sleytr S-Schicht-Viroidpartikel hergestellt, die an ihrer Oberfläche und in ihrer Funktion den Sars-CoV-2-Viruspartikeln entsprechen, aber keine krankheitsbildende Information enthalten - also einem "trojanischen Pferd ohne Krieger" gleichen. Die Forschungsvision besteht darin, dass dadurch im Menschen eine Immunantwort ausgelöst wird, die in Folge aber das eigentliche Virus erkennt. "Wenn es gelingt, unser Immunsystem durch virusähnliche Nanopartikel zu 'warnen', haben wir eine ganz neue Strategie in der Hand, die Pandemie zu bekämpfen", wird Ehmoser in einer Aussendung der Boku zitiert. Die Hochschule kooperiert dazu mit der US-Biotechnologiefirma Avalon GloboCar.

Eintrittspforte Nasen-Rachenraum

Der Nasen-Rachenraum als Ort molekularer Erkennung und  Eintrittsorgan von Krankheitserregern in den menschlichen Organismus, ist eines der Forschungsthemen von Ehmoser, Leiterin des Institutes für Synthetische Bioarchitekturen an der Boku. In ihrem Institut werden Nanopartikel hergestellt und untersucht, die im Kontext von Sensorik und Umwelt eine wichtige Rolle spielen. Vor allem im Gebiet der Nanowissenschaften im Zusammenhang zellbiologischer Fragestellungen wird gearbeitet.

"Wenn gut erforschte Themen neu betrachtet und zusammengeführt werden, ergeben sich oft besonders innovative Lösungen," betonen Ehmoser und Sleytr. (est)