Wien. Testen, testen, testen. So lautet die Devise seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Tests sollen dazu beitragen, die Ansteckungskette zu unterbrechen, indem Infizierte frühzeitig erkannt werden. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze. Jene Tests, die ein aktuelles Krankheitsgeschehen erkennen, und jene, die nachweisen, dass ein Mensch erkrankt war. Die sogenannten RT-PCR-Tests (Reverse Transkriptase Polymerase Chain Reaction) sind derzeit Goldstandard. Sie sind verlässlich im Nachweis einer akuten Erkrankung, allerdings aufwendig, langsam und teuer. Forscher plädieren neuerdings daher für Schnelltests - sogenannte Antigentests -, die ein Virusgeschehen rasch und günstig, dafür allerdings weniger sicher nachweisen sollen.

Das klingt unlogisch, könnte allerdings dennoch dazu beitragen, wieder zu einem halbwegs normalen Leben zurückkehren zu können, betont etwa der Epidemiologe Michal Mina von der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Das Harvard Wyss Institute hat bereits einen solchen Test für eine breite Anwendung entwickelt. Weltweit gibt es bereits unterschiedliche Fabrikate. Wie schnell es zu einem breiten Einsatz kommen kann, ist allerdings noch fraglich. Doch worin unterscheiden sich die Verfahren überhaupt?

Mittels PCR lässt sich, wie gesagt, die akute Erkrankung, nachweisen. Die Untersuchungsmethode weist grundsätzlich eine hohe Sensitivität auf. Je sensitiver ein Test ist, umso genauer kann er infizierte Personen korrekt als positiv identifizieren.

Die Antigentests wiederum besitzen eine eher schlechte Sensitivität. Sie bringen also eine hohe Anzahl falsch-negativer Ergebnisse hervor - vor allem dann, wenn die Viruslast gering ist. Proben mit einem hohen Virusanteil werden allerdings auch sehr wahrscheinlich korrekt positiv gemessen - und damit all jene Menschen identifiziert, von denen auch ein besonders hohes Ansteckungsrisiko ausgeht.

Großflächige Überwachung

Sie funktionieren ähnlich einem Schwangerschaftstest. Auf einen mit Antikörpern versehenen Papierstreifen wird Spucke aufgetragen. Die Antikörper reagieren auf die Antigene des Virus, also jene Moleküle, die das menschliche Immunsystem als fremd erkennt. Innerhalb von zehn bis 15 Minuten kommt es zu einer Farbreaktion. Diese Kits sind sehr günstig herzustellen und könnten überall dort zum Einsatz kommen, wo das PCR-Verfahren zu langsam oder zu teuer ist. Erkennt man Menschen an ihren ansteckendsten Tagen, ließen sich neue Ausbrüche sogar verhindern, betont Mina. Für die großflächige Überwachung der Bevölkerung würden sie ausreichen, so der Forscher.

Auch eine jüngst im "Jama Network Open" erschienene Studie kommt zu dem Schluss, dass alle zwei Tage durchgeführte Schnelltests und die darauffolgende Isolation von positiv getesteten Studenten eine vielversprechende Strategie für US-Colleges sei.

In einer Hinsicht funktionieren die neuen Antigentests sogar gleich gut wie ihre PCR-Pendants. Sie weisen eine hohe Spezifität auf. Je spezifischer ein Test ist, desto genauer kann er Nicht-Infizierte korrekt als negativ erkennen. Das heißt, falsch positive Resultate kommen kaum vor.

Dann wären da noch die viel zitierten Antikörpertests, die allerdings nur zu erkennen geben, dass ein Mensch infiziert war.