Ein Großteil der durch Covid-19 ausgelösten Lungenveränderungen ist reversibel. Das hat ein Team der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin II rund um deren Direktor Günter Weiss in einer Studie mit 86 Corona-Patienten festgestellt. 55 Prozent der hospitalisierten Covid-19-Patienten würden aber auch noch sechs Wochen nach der Krankenhausentlassung körperliche Beeinträchtigungen zeigen.

Im Rahmen der Studie seien erstmals die Langzeitfolgen von Covid-19 an stationär versorgten Patienten untersucht worden, teilte die Medizinische Universität Innsbruck am Montag mit. In die Studie eingeschlossen waren 86 Patienten - 70 Prozent davon Männer - zwischen 50 und 70 Jahren, die an der Uniklinik Innsbruck, im Krankenhaus Zams und im Reha-Zentrum Münster behandelt worden waren. Die Probanden waren im Schnitt übergewichtig bis adipös, 44 Prozent waren vormals Raucher und ein wesentlicher Teil hatte kardiovaskuläre Vorerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes oder Hypercholesterinämie.

"55 Prozent der hospitalisierten Covid-19-Patienten zeigten auch sechs Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus anhaltende körperliche Beeinträchtigungen", beschrieb die Lungenspezialistin Judith Löffler-Ragg eines der zentralen Ergebnisse der Studie. An erster Stelle lag mit knapp 50 Prozent die Kurzatmigkeit bei Belastung, 15 Prozent klagten über andauernden Husten. Grundsätzlich hätten die Patienten eine überdurchschnittlich lange Genesungsphase beschrieben, die Intensität der Beschwerden hätte sich aber im Verlauf deutlich verbessert.

Vollständiges Abklingen noch nicht klar

In CT-Untersuchungen sechs Wochen nach Krankenhausentlassung zeigten sich bei 88 Prozent der Patienten anhaltende leicht- bis mittelgradige strukturelle Veränderungen der Lunge. Diese bildeten sich allerdings im Zeitverlauf bei den meisten Patienten deutlich zurück. Derzeit gebe es keine Hinweise auf fortschreitende Lungenschäden, wie etwa zunehmende Vernarbungen. Ob die Veränderungen der Lunge vollständig abklingen, sei aktuell noch nicht zur Gänze zu beantworten.

"Erste Erfahrungen zeigen, dass die bei der Entlassung aus der Klinik diagnostizierten Beeinträchtigungen der Lungenfunktion durch eine langfristige und spezifische Rehabilitationstherapie deutlich verbessert werden können. Entsprechend dürfte es sich bei einem Großteil der Lungenveränderungen um reversible Prozesse handeln", erklärte Sabina Sahanic aus dem Studienteam. Die Studienleiter betonten deshalb die Notwendigkeit einer strukturierten Nachsorge bei schwer Erkrankten.

Die Innsbrucker Mediziner wollen nun auch den weiteren Genesungsverlauf nach sechs und nach zwölf Monaten durch Nachfolgeuntersuchungen analysieren. Die Ergebnisse der Studie wurden am Montag beim Kongress der European Respiratory Society (ERS) präsentiert. (apa)