Wien. Unter dem Mikroskop erscheinen die ersten Stunden eines Lebewesens chaotisch. Eine Eizelle teilt sich wieder und wieder. Binnen Kürze rangeln die neuen Zellen um Position. "Doch in diesem scheinbar höllischen Tumult beginnen die Zellen, sich zu organisieren. Muster bilden sich als Grundlage für Gewebe, Organe und anatomische Strukturen", berichten die Harvard Medical School und das Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg.

Morphogenese nennt sich dieser Prozess. Das Team ist ihm auf den Grund gegangen und hat festgestellt, dass die Zellen von Tieren bestimmte "Berufe" erlernen, je nachdem, wo sie sich befinden. Damit die unterschiedlichen Zelltypen nicht durcheinanderkommen, kleben sie mit ihren eigenen Arbeitskollegen fester zusammen als mit jenen einer anderen Profession, berichten die Forscher im Fachjournal "Science". So wird eine stabile Aufteilung für eine ordnungsgemäße Embryo-Entwicklung gewährleistet.

Carl-Philipp Heisenberg und seine Kollegen vom IST untersuchten bei Zebrafischen die Entwicklung des "Neuralrohrs", dem Vorläufer des zentralen Nervensystems. Es ist in mehrere Bereiche organisiert, in denen Zellen unterschiedliche Identitäten haben. Signalstoffe weisen den Zellen jeweils ihr Schicksal zu. Obwohl sie sich während dieser Entwicklung bewegen, finden Zellen derselben Domäne immer wieder zusammen, weil sie aufgrund von unterschiedlichen Klebe-Eiweißstoffen, auch Adhäsionsproteine genannt, aneinander haften.(est)