Bis zum Jahr 2030 soll die Hepatitis C als Problem der öffentlichen Gesundheit beseitigt werden. Dieses Ziel hat die Weltgesundheitsorganisation WHO im Mai 2016 formuliert. Seither widmen sich weltweit Forscher- und Ärzteteams verschiedensten Projekten, um der Virushepatitis den Garaus zu machen. Ein Projekt in Österreich, das "Eliminate" (Elimination Austria East)-Programm, fokussiert sich auf den "rest of the rest". Also jene Infizierten, die bisher nicht durch auf spezielle Zielgruppen ausgerichtete Therapieprogramme berücksichtigt wurden, aber bereits durch direkten Virusnachweis identifiziert wurden, sollen in dem Programm einer Therapie zugeführt werden. Diese Patienten, die potenziell weiter Träger des Hepatitis C-Virus (HCV) sind, können nicht nur eine schwere Lebererkrankung entwickeln, sondern stellen auch ein Infektionsrisiko für andere dar, betont die Projektbeteiligte Caroline Schmidbauer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Die Hepatitis C war erst zuletzt mit der diesjährigen Kür der Medizin-Nobelpreisträger wieder mehr in den Fokus gerückt. Die beiden US-Virologen Harvey J. Alter und Charles M. Rice sowie der britische Biochemiker Michael Houghton haben mit ihren Forschungsarbeiten die Ursache für Fälle chronischer Hepatitis gefunden und Blutuntersuchungen sowie neue Medikamente ermöglicht. Seit der Entdeckung des Virus im Jahr 1989 ist es zu einer enormen Wissenszunahme hinsichtlich Übertragung, Diagnostik und Vorsorge gekommen.

Nebenwirkungsfrei heilbar

Das HCV kann sowohl eine akute als auch chronische Leberentzündung hervorrufen. Der Schweregrad kann dabei von einer leichten, einige Wochen dauernden bis hin zu einer schweren, lebenslangen Erkrankung reichen. Viele chronisch Infizierte entwickeln eine Leberzirrhose oder Krebs.

Übertragen wird das Virus durch infiziertes Blut etwa beim intravenösen Drogenkonsum, bei Sexualpraktiken oder durch Bluttransfusionen. In Ländern mit gut funktionierenden Gesundheitswesen ist dies mittlerweile praktisch auszuschließen und eher als Problem der Vergangenheit zu sehen.

PCR-Test als Nachweis

Die Therapie hat sich seit der Entdeckung des HCV stark verändert. Mussten Patienten vor einigen Jahren noch mittels Interferon und zusätzlichen Substanzen monatelang versorgt werden, so gibt es heute antivirale, nahezu nebenwirkungsfreie orale Medikamente, womit fast 100 Prozent innerhalb von acht bis zwölf Wochen geheilt werden können. Auch nach einer ausgeheilten oder behandelten Infektion besteht jedoch weiterhin die Gefahr einer Reinfektion bei entsprechendem Risikoverhalten.

Im Rahmen des Projekts "Eliminate" von der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie, das vom Pharmakonzern Gilead finanziert wird, kooperieren die wichtigsten Hepatitis-C-Zentren in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland.

In einem ersten Schritt wurden vorhandene Labordaten durchforstet, um mögliche Betroffene herauszufiltern. So wurden all jene Menschen in der Analyse erfasst, die im Zeitraum zwischen 2008 und 2018 einen positiven PCR-Test erfahren mussten. Um eine Hepatitis C nachweisen zu können, wird auch hier die im Zuge der Covid-19-Pandemie zu Bekanntheit gelangte Polymerase Chain Reaction (PCR)-Untersuchung angewendet. Damit lässt sich ein aktives Virusgeschehen im Körper nachweisen und die Viruslast bestimmen. Zudem setzen die Mediziner den sogenannten Fibroscan ein, eine Art Ultraschalluntersuchung, mit der Leberschäden und deren Stadien aufgespürt werden können.

Die PCR-Tests geben schließlich Aufschluss über mögliche "versteckte" Patienten, erklärt Schmidbauer. In weiterer Folge werden die Betroffenen ausfindig gemacht und über das jeweilige Krankenhaus, das sie zuletzt betreut hat, kontaktiert. In einem nächsten Schritt wird den Patienten eine erneute Untersuchung angeboten, um zu sehen, ob die Infektion nach wie vor besteht.

Die Covid-19-Pandemie hat, so wie vieles andere, auch das Hepatitis-C-Projekt verzögert, räumt Schmidbauer ein. Mittlerweile sei jedoch die epidemiologische Analyse der Patientendaten schon erfolgt. Jetzt beginnt die Einberufung. Im AKH Wien sind es rund 3.000 Betroffene, die noch potenziell ansteckend sein könnten. In der Klinik Ottakring ungefähr 1.000, nennt die Medizinerin Zahlen für Wien. Demnächst soll die Einberufung beginnen, um möglichst viele Patienten einer Therapie zuführen zu können. Ist die Viruslast zwölf Wochen nach Ende der Therapie negativ, gilt der Betroffene als virologisch geheilt. Schmidbauer warnt aber vor der Möglichkeit einer Reinfektion mit einem anderen Subtyp. Auch darüber wird im Rahmen des Projekts aufgeklärt.

71 Millionen Betroffene

Eine Elimination des Virus würde sich auch positiv auf die weltweite Transplantationslage auswirken, denn die Virus-Hepatitis macht nach wie vor einen Hauptteil der Indikation für Lebertransplantationen aus. "Wenn man behandeln kann und die Patienten gar nicht mehr in das Stadium der Leberzirrhose oder des Leberkrebs kommen, hat man auch mehr Spenderorgane für anderen Krankheitsentitäten zur Verfügung", betont die Expertin.

Von der chronischen Verlaufsform sind laut WHO rund 71 Millionen Menschen betroffen. In Österreich sind rund 26.000 Menschen mit dem Virus infiziert.