Während der US-Pharmariese Pfizer, der mit seinem Corona-Impfstoff in Zusammenarbeit mit dem deutschen Pharmaunternehmen Biontech neuesten Studienergebnissen zufolge für einen möglichen Durchbruch sorgen dürfte und damit die große Hoffnung auf eine schnelle Zulassung einer Vakzine nährt, warnt ein US-Forscherteam im Fachmagazin "Plos one" vor einer möglichen Resistenzbildung von Sars-CoV-2 gegenüber Impfstoffen.

Wie Pfizer am Montag mitteilte, bietet seine Impfung den jüngsten Daten aus der für eine Zulassung entscheidenden Studienphase zufolge, die am Sonntag von einem unabhängigen Expertenteam bewertet wurden, einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19. Schwere Nebenwirkungen seien nicht registriert worden. Biontech und Pfizer wollen schon ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen, hieß es weiter. Auch in Europa soll es bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA einen Zulassungsantrag geben.

- © REUTERS
© REUTERS

Ähnlich wie Bakterien

Der Impfstoff BNT162b2 war von Biontech im Projekt "Lightspeed" (Lichtgeschwindigkeit) seit Mitte Jänner entwickelt worden. Die für eine Zulassung entscheidende Phase-3-Studie begann ab Ende Juli in verschiedenen Ländern. Inzwischen haben mehr als 43.500 Menschen mindestens eine der beiden Impfungen bekommen, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Ein Impfschutz wird nach Angaben der Hersteller eine Woche nach der zweiten Injektion erreicht.

Aufhorchen ließ am Montag allerdings auch ein Wissenschafterteam um die beiden Biologen David Kennedy und Andrew Read von der Pennsylvania State University. Denn ähnlich wie Bakterien können auch Viren Resistenzen entwickeln. Während Bakterien diese gegen Antibiotika ausbilden, kann solch eine Widerstandsfähigkeit durchaus auch von Viren gegen Impfstoffe hervorgerufen werden. Die Mutationsfreudigkeit von Sars-CoV-2 könnte daher die Wirksamkeit von Vakzinen untergraben, warnen die Biologen.

Zehn Substanzen in Phase-3

"Ein Covid-19-Impfstoff wird dringend benötigt, um Leben zu retten und der Gesellschaft zu helfen, zu ihrem Normalzustand vor der Pandemie zurückzukehren", betont Kennedy. Doch "wie wir bei anderen Krankheiten wie Lungenentzündung gesehen haben, kann die Entwicklung von Resistenzen Impfstoffe schnell unwirksam machen. Indem wir aus diesen früheren Herausforderungen lernen und dieses Wissen nun implementieren, können wir möglicherweise die langfristige Wirkung eines Covid-19-Impfstoff maximieren."

Die Forscher betonen die Notwendigkeit von Impfstoffen, die eine redundante Impfantwort auslösen - bei der das Immunsystem dazu angeregt wird, auf mehrere Stellen auf der Oberfläche des Virus abzuzielen.

Der Mechanismus ähnelt dann jenem einer kombinierten Antibiotikatherapie, die die Entwicklung einer Antibiotikaresistenz verzögern kann, erklärt Read, auch Direktor des Huck Institute of Life Sciences. In Folge müsste das Virus nicht nur eine, sondern mehrere Mutationen erwerben, um den Angriff des Immunsystems des Wirts zu überleben, so der Biologe.

Nach Angaben der WHO befinden sich derzeit rund 200 Covid-19-Impfstoffe in der Entwicklungspipeline. 47 davon werden derzeit klinisch evaluiert, zehn in der entscheiden Phase-3.

In Russland und China wurden Impfstoffe schon zugelassen, noch bevor Ergebnisse der Wirksamkeitsstudien vorlagen. BNT162b2 scheint nun in der westlichen Welt die Nase vorne zu haben. Die Unternehmen rechnen damit, noch heuer bis zu 50 Millionen Dosen bereitstellen zu können. Für 2021 kalkulieren sie weltweit mit bis zu 1,3 Milliarden Dosen.

Kurssprung für Pfizer

Das Biontech-Präparat ist ein sogenannter RNA-Impfstoff. Es enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß herstellt - in diesem Fall das Oberflächenprotein, mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren. Damit wird ein Ausbruch von Covid-19 verhindert.

Pfizer bescheren die Fortschritte nun einen Kurssprung. Die Aktien des Pharmariesen lagen kurz nach Börsenstart um 19 Prozent im Plus, die in den USA notierten Titel von Biontech legten um zwölf Prozent zu. Insgesamt sind die US-Börsen aufgrund der positiven Nachrichten mit einem regelrechten Kursfeuerwerk in die neue Handelswoche gestiegen. Der Dow Jones Industrial fuhr schon zu Börsenstart ein Plus von 4,62 Prozent ein.