Washington/Wien. Mehr als 15.000 Nerze sind nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums seit August in den Vereinigten Staaten an dem Coronavirus gestorben. Etwa ein Dutzend US-Farmen stünden unter Quarantäne, erklärte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Mittwoch.

Zuvor hatte Dänemark angekündigt, alle 17 Millionen Nerze auf ihren Farmen töten zu lassen. Jedoch wurde dann bekannt, dass die dänische Regierung nicht über die nötige Drei-Viertel-Mehrheit verfügt, um eine solche Notgesetzgebung zu verordnen. "Es gibt sehr große Zweifel, ob diese geplante Keulung auf einer adäquaten wissenschaftlichen Basis steht", erklärte der Parteichef der oppositionellen Liberalen, Jakob Ellemann-Jensen, mit Verweis auf die wirtschaftlichen Schäden, die die Maßnahme zur Folge hätte.

Ein Forschungsteam um Bas B. Oude Munnink von der Erasmus Universität in Rotterdam sieht es anders. In einer Studie an infizierten Tieren und 97 Mitarbeitern in 16 Nerzfarmen der Niederlande konnte es nachweisen, dass Covid-19 von den Marderartigen an Menschen und in einer mutierten Form von ihnen an sie zurückgegeben werden kann.

Ansteckung mit Mutation

Von April bis Juni haben Munnink und seine Kollegen betroffene Nerzfarmen auf Sars-CoV-2 und Viren-Genome untersucht und Interviews mit den Farmern gemacht. Insgesamt wurden 66 der 97 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Die Analysen zeigen außerdem verschiedene genetische Sequenzen von Sars-CoV-2. Laut den Forschern übertrug sich die in Europa dominierende D614G-Mutation vom Menschen auf den Nerz und entwickelte in ihm eine andere genetische Signatur, die dann wiederum in einigen Mitarbeitern nachgewiesen worden sei. "Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob Nerze und andere Marderartige zum neuen tierischen Reservoir für Sars-CoV-2 werden könnten", betonen die Forscher im Fachjournal "Science".

Sars-CoV-2 soll ursprünglich in der Fledermaus entstanden sein, die es jedoch nicht infiziert. Als erwiesen gilt, dass nicht nur Menschen, sondern auch ihre Haustiere Covid-19 bekommen können. Allerdings handelt es sich bei betroffenen Katzen oder Hunden offenbar um Einzelfälle, die sich von ihren Haltern infiziert haben, diese aber nicht anstecken.