Seit Beginn des zweiten Lockdowns in der Vorwoche sind in Österreich weniger Medikamente für chronisch Kranke abgegeben worden. Laut Daten vom Verband des Arzneimittel-Vollgroßhandels (Phago) holten sich die Betroffenen von 4. bis 10. November zur Vergleichswoche des Vorjahres um 29 Prozent weniger Präparate gegen koronare Herzkrankheiten. Besonders deutlich sei der Rückgang auch bei Antidiabetika und Psychopharmaka mit minus 9,1 bzw. 9,8 Prozent, hieß es in einer Aussendung.

Dass aufgrund der gesetzlichen Sicherheitsmaßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus deutlich weniger Patienten ihre Arzneimittel besorgen, konnte der Vollgroßhandel bereits im ersten Shutdown beobachten. "Wenn wir diesen Trend in den Folge-Wochen weiterhin in unseren Aufzeichnungen sehen, hat das Auswirkungen auf die Arzneimittel-Therapien chronisch kranker Patienten. Da müssen wir alle - Ärzte, Apotheker und Großhandel - besonders wachsam sein", warnte Phago-Vorstand Thomas Brosch. Einen konstanten Rückgang verzeichnete der Verband seit Ausbruch des Coronavirus und nach wie vor bei Antibiotika (minus 31,4 Prozent) und Schmerzmitteln (minus 10,4 Prozent).

Experten der MedUni Wien appellierten in einer Aussendung anlässlich des Weltdiabetestags am Samstag (14. November) an Diabetiker, nicht auf die regelmäßige Einnahme von Medikamenten und auf ärztliche Kontrollen zu verzichten. Das Aussetzen von Behandlungen und Untersuchungen erhöht die gesundheitlichen Risiken, ergab eine aktuelle Auswertung der MedUni von Daten aus den Jahren 2012 bis 2017 - also schon vor der Corona-Pandemie. "Diabetes-Betroffene gehören aufgrund ihrer Krankheit zu den Covid-19-Risikogruppen mit schwererem Krankheitsverlauf und höherer Sterblichkeit. Sie sollten besonders vorsichtig sein", empfahl die Stoffwechselexpertin Alexandra Kautzky-Willer für die aktuelle Situation. (apa)