Weltweit forscht die Pharmaindustrie mit Hochdruck an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO befinden sich 48 Impfstoffprojekte in der klinischen Entwicklung, davon mehr als zehn in der entscheidenden Phase-III-Wirksamkeitsstudie mit mehreren tausend Probanden.

Die deutsche Biontech und ihr US-Partner Pfizer präsentierten als erste Entwickler positive Wirksamkeitsdaten aus einer laufenden Studie der finalen Phase an 44.000 Probanden. Demnach war das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, für Teilnehmer, die den Impfstoff erhielten, um 95 Prozent geringer als ohne Impfung. Die Unternehmen haben bei der US-Gesundheitsbehörde FDA und der Europäischen Behörde EMA die Zulassung beantragt. Bei grünem Licht könnten ab Mitte oder Ende Dezember Impfungen in den USA beginnen. Der neuartige Boten-RNA-Ansatz kann schnell in großem Maßstab hergestellt werden, benötigt aber eine starke Kühlung.

Als zweites Unternehmen veröffentlichte der US-Konzern Moderna positive Zwischenergebnisse seiner zulassungsrelevanten Studie. Der Impfstoff, der ebenfalls auf dem Boten-RNA basiert, schützt zu 94,5 Prozent vor Covid-19. Moderna will in den kommenden Wochen in den USA eine Notfallgenehmigung beantragen.

Vakzine aus Österreich

Der britische Pharmakonzern Astra Zeneca veröffentlichte am Montag Studienergebnisse zu seinem Impfstoff-Kandidat, den er zusammen mit der Universität Oxford entwickelt. Die Zwischenanalyse ergab eine Wirksamkeit von 90 Prozent, wenn eine halbe Dosis und mindestens einen Monat später eine volle Dosis verabreicht wurde. Gespräche mit der US-Behörde FDA sollen diese Woche beginnen. Das Vakzin von Astra Zeneca beruht auf einer herkömmlichen Herstellungsweise und ist ein Vektorimpfstoff der Basis von Adenoviren von Affen. Er kann im Kühlschrank gelagert werden.

Weiters verschreiben sich gleich mehrere österreichische Unternehmen der Entwicklung einer Impfung gegen Covid-19. Themis Bioscience forscht an einem Vakzin, das den Masernvirusimpfstoff als Trägermedium (Vektor) nützt. Themis gehört seit kurzem zum US-Konzern MSD, mit dem es eine Phase-III-Studie vorbereitet.

Die Firma Valneva, in der vor einigen Jahren die österreichische Firma Intercell aufgegangen ist, arbeitet an einem inaktivierten Ganzvirusimpfstoff gegen Covid-19, der Ende dieses Jahres in die Phase I gehen soll. In Wien werden die klinische Entwicklung geplant und gesteuert und wichtige Prozesse des Qualitätsmanagements durchgeführt.

Der Tübinger Impfstoffentwickler Curevac hat wiederum im Juni mit der klinischen Erprobung seines Kandidaten begonnen. In der Phase-I-Studie an 250 Probanden wurde das Vakzin in verschiedenen Dosierungen getestet. Es zeigte eine gute Verträglichkeit und eine ausgewogene Immunantwort. Noch vor Jahresende soll die Wirksamkeitsstudie mit weltweit bis zu 30.000 Probanden starten.

Curevac, Johnson, Sinovac

Der US-Pharmakonzern Johnson&Johnson hat die Phase-III-Studie bereits Ende September gestartet. Die Ergebnisse sollten bis Anfang 2021 vorliegen. J&J musste seine zulassungsrelevante Studie wegen einer unerklärten Erkrankung bei einem Probanden unterbrechen. Im Oktober fuhr die Untersuchung wieder hoch, nachdem ein Kontrollgremium grünes Licht dafür gegeben hatte.

Der Impfstoff Coronavac des chinesischen Biotechunternehmens Sinovac befindet sich als einer von einer Handvoll chinesischen Impfstoffkandidaten in der klinischen Phase III. Tests mit tausenden Freiwilligen laufen in Indonesien, der Türkei und in Brasilien. Coronavac gehört zu jenen Impfstoffen, die in Chinas Notfall-Programm bereits zehntausenden Menschen vor Abschluss der klinischen Studien verabreicht wurden. Weiters testet der staatliche chinesische Biotechkonzern Sinopharm zwei verschiedene Impfstoffprojekte in Phase-III in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Argentinien, Peru, Marokko und Bahrain.

Das russische Gesundheitsministerium hat einen Impfstoff namens "Sputnik V" am 11. August freigegeben, noch bevor Phase III-Ergebnisse vorlagen. In zwei Tests hatten dem Fachmagazin "Lancet" zufolge 76 Teilnehmer Antikörper entwickelt und keine schweren Nebenwirkungen gezeigt. Inzwischen läuft eine Studie an 40.000 Teilnehmern. Zwischenergebnissen zufolge zeigte der Impfstoff eine Wirksamkeit von 92 Prozent gegen Covid-19.(est/reuters/apa)