Ein Mann mit Gesichtsmaske besprüht Kartons mit Eiern mit Rauch. Ein weiterer jüngerer Mann hält einen Eierkarton in der Hand. Im Hintergrudn ist ein Marktstand zu sehen. Die Eierkartins sind aus Plastik und blau, rot und grün. - © Apa / AFP / Punit Paranjpe
Mumbai kämpft mit Rauch gegen die Malaria-Mücke. Zoonosen wie Malaria machen 60 Prozent aller Infektionskrankheiten aus. Eine spezielle Art, die eigentlich in Indien und Pakistan zuhause ist, hat sich nun bis nach Ostafrika verbreitet. Diese Mücke kann auch in sauberem Gewässer brüten. - © Apa / AFP / Punit Paranjpe

Sie heißt Anopheles stephensi, ist eine in Asien weit verbreitete Moskito-Art, dort eine der besten Überträgerinnen für Malaria und nun auch in Ostafrika angekommen. Forscher fanden Larven der Mücke in den meisten Wasserbehältern der Haushalte von Awash Sebat Kilo, eine Kleinstadt von der Größe Stockeraus am Horn von Afrika in Äthiopien.

Die Tragik der Entdeckung liegt nicht, oder zumindest nicht in erster Linie, im Vorkommen der Mücken selbst.

Das Problem ist, dass alle Malaria-Parasiten und insbesondere ein lokal bis dahin etwas weniger bedeutender Stamm, Plasmodium vivax, in ihnen einen besonders guten Vektor gefunden hat: Anopheles stephensi ist hitzeresident und kann alle Malaria-Erreger auch in Trockenperioden vermehren, wenn die anderen Moskitos ausfallen.

Der Klassiker der Malaria-Vorsorge, sauberes Wasser, fruchtet bei Anopheles stephensi nicht: Künstliche Gewässer gehören zu ihren bevorzugten Brutstätten. Malaria ist damit kurz davor, sich auch in urbanen Gebieten mit klarem, sauberen Wasser stark zu verbreiten. Das bedroht 126 Millionen Menschen in den Städten Afrikas.

Ein neuer potenter Vektor für Malaria-Erreger

Wann genau Anopheles stephensi nach Afrika kam, weiß man nicht. Die Moskito-Art wurde vor gut neun Jahren, 2012, zum ersten Mal in Dschibuti, der Hauptstadt des gleichnamigen Staates, identifiziert, nachdem es dort zu einem ungewöhnlichen Malaria-Ausbruch gekommen war, dem viele weitere besonders schwere Ausbrüche folgten.

2016 gelang der Nachweis der asiatischen Moskito-Art in Äthiopien, 2019 im Sudan. "Das bedeutet nicht, dass diese Art erst dann nach Afrika kam", sagt Fitsum Tadesse. Der Molekularbiologe der Universität Addis Abeba leitete die Untersuchung der Mücken-Populationen in Awash Sebat Kilo. "Es kann sein, dass die Erreger bereits sehr viel länger da sind."

Die Genetik der äthiopischen Anopheles stephensi-Moskitos deutet darauf hin, dass die Mücken vermutlich aus Pakistan und aus Dschibuti stammen. Awash Sebat Kilo liegt an einer bedeutenden Verkehrsachse zwischen Dschibuti und Addis Abeba.

Malaria-Ausbreitung jetzt zeitlich und räumlich unbegrenzt

Die Herkunft von Anopheles Stephensi ist allerdings bislang eine Vermutung. "Unsere Hypothese ist, dass sie im Zuge des Handels via Schiff und Flugzeug nach Äthiopien kamen. Es ist ein Effekt der Globalisierung", so Tadesse, der mit dem internationalen Forschungsteam zeigen konnte, dass sich die Mücke selbst nicht verändert hat, sondern ihre Fähigkeit, sich in klarem und sauberem Wasser zu vermehren, eins zu eins nach Afrika mitbrachte. "Der Vektor musste sich nicht anpassen", erklärt er.

Malaria war in urbanen Gebieten immer relativ selten , weil die vier Moskitoarten, die als Wirte und Überträger für die Parasiten fungieren können, Seen, Pfützen und verschmutztes Wasser als Brutstätten bevorzugen. Malaria galt, zumindest in Afrika, daher lang als eine Krankheit ländlicher Gebiete. Mit der Ankunft von Anopheles stephensi ändert sich das, womöglich grundlegend.

Fitsum Tadesse forscht und lehrt an der Universität Addis Abeba und ist auf die Genetik der Malaria-Erreger spezialisiert. In Afrika gibt es zwei dominante Stränge: Plasmodium falciparum und Plasmodium vivax. Beide lösen jeweils eine bestimmte Form der Malaria aus.

Plasmodien sind einzellig und haben eine komplexe mehrstufige Reproduktionsweise. Sie nutzen sowohl die Mücken als auch den Menschen in jeweils bestimmten Entwicklungsstadien als Wirte.

Plasmodien befallen im Menschen zuerst die Leber, wandern schließlich ins Blut, wo sie die roten Blutkörperchen durch ihre Vermehrung zerstören und damit schließlich allen Organen die Sauerstoffversorgung nehmen. Jeder zehnte Patient stirbt. Plasmodium vivax hat noch die Besonderheit, eine Form der Malaria auszulösen, deren erste Symptome sich auch erst Jahre nach der Infektion zeigen können. Die Übertragung von der Mücke auf den Menschen geschieht über den Speichel der Moskitos.

Resistenzen gegen Medikamente nehmen zu

Medikamente zur Behandlung von Malaria werden zunehmend rar, weil die Erreger inzwischen Resistenzen entwickelt haben. Malaria-Ausbrüche zu verhindern, ist daher zunehmend dringlich und das Auftreten von Anopheles stephensis ein herber Rückschlag. "Die Bedrohung ist sehr groß", sagt Tadesse. Jährlich sterben weltweit 400.000 Menschen an der Erkrankung.

Tadesse wird in weiteren Forschungsarbeiten klären, wann, auf welche Weise und wie oft die Anopheles-Art auf den Kontinent kam. Sein Instrument sind genetische Analysen, mit denen sich solche Entwicklungen nachträglich datieren lassen.

Solche Datierungen sind im Zeitalter der Zoonosen essentiell: 60 Prozent aller Infektionskrankheiten entstehen durch die Übertragung von Erregern vom Tier auf den Menschen. Eine neue Studie der Universität Cambridge zur Herkunft von Sars-Cov-2 hat gezeigt, dass der Klimawandel eine entscheidende Rolle bei der Entstehung neuer Infektionskrankheiten spielt: Wie die Forschungen von Fitsum Tadesse zeigen, machen Klimawandel, Urbanisierung und Globalisierung nicht nur neue Krankheiten wie Covid-19 zu einem zunehmend bedrohlicheren Problem, sondern auch die alten Krankheiten wie Malaria können unter diesen für Erreger guten Bedingungen einen neuen Grad der Gefährlichkeit für die Menschheit erreichen.