Das Privatleben dreht sich um Corona. Das Arbeitsleben dreht sich um Corona. Die Berichterstattung in den Medien dreht sich um Corona. Corona, Corona, Corona - wo auch immer man hinschaut, hingreift und hinfühlt. Die Sehnsucht nach einer zumindest Corona-freien Zone - sowohl im Alltag als auch in den Medien ist groß und wächst weiter an. Die Menschen wollen einander wieder von Angesicht zu Angesicht begegnen, einander umarmen, einander die Hand reichen -  und auch Nachrichten konsumieren, die das Leben fern eines Virus bereichern - nämlich Corona-free. Hier der Versuch des Abstandnehmens vom Abstandhalten.

Man könnte meinen, die Leute haben es satt, sich an Regeln zu halten, die sich teilweise gegen die Natur des Menschen stellen, den Alltag blockieren und Annäherungen überhaupt verbieten. Die Angst vor einem Virus treibt Regierungen zu Schnellschusshandlungen, die Bevölkerung in den Stillstand und das Menschsein in die Warteschlange. Lockdown und Arbeitslosigkeit bedrohen die wirtschaftliche Existenzen vieler. Die Herausforderungen, die die Zukunft noch bringen wird, sind nicht zur Gänze abschätzbar.

Die Gefahr, der wir durch diesen superschlauen Erreger Sars-CoV-2 ausgesetzt sind, kleinzureden, wäre fahrlässig. Doch mit Blick auf die Zukunft sind Corona-freie Elemente im Leben jedes Einzelnen dringendst angeraten.

Der ORF berichtet über Hürden beim Contact-Tracing. Demnach geben Infizierte immer weniger Auskunft über ihre Kontakte, sofern sie sich überhaupt selbst zu erkennen geben, weil sie die Erkrankung still und heimlich zu Hause auskurieren, werden Experten zitiert. "Die Leute spielen heute weniger mit", heißt es. Sei es aus Sorge vor Quarantäne und Co. oder aus Sorge, erwischt zu werden, weil so manche Regel nicht eingehalten wurde.

Corona-Auszeit und Normalität

Verwunderlich ist es nicht nach einer Zeit der Askese sondergleichen. Ein Espresso im Cafe ums Eck, ein Wiener Schnitzel beim Wirten ums Eck, ein After-Work-Cocktail in der Bar ums Eck, ein Kinoabend, ein Theaterbesuch. Die Wünsche und Sehnsüchte differieren - das Ziel eint sie: Corona-Auszeit und Normalität - keine neue, sondern die alte.

Auch in den Medien verdeutlicht sich diese Sehnsucht. Bemerkbar wird dies nicht zuletzt an den Zugriffszahlen, Empfehlungen und Kommentaren. Ob Astronomische Entdeckungen oder Events wie die Landung auf dem Mars, Aufklärung über ein mögliches Blackout, die Gefahr von Nanopartikeln für den Menschen oder Errungenschaften in der Medizin bei Krebs oder neurodegenerativen Erkrankungen - alleine in der Wissenschaft ist trotz der Wucht des primären Themas eben auch ein großes Interesse an heute mittlerweile zu "Randthemen" degradierten Highlights zu erkennen.

Kultur und Feuilleton punkten mit News und Abhandlungen im Bereich von Digitalisierung und Social Media. Sogar Netflix-Serienberichterstattung scheint die Wünsche des Lesers zu erfüllen.

Nach nahezu einem Jahr Treuehalten an der Krone, wie das Coronavirus aufgrund seiner Gestalt betitelt wurde, wäre es an der Zeit, wieder die Diamenten hervorzukehren, die man nicht einmal suchen muss, weil sie geradezu auf der Straße liegen - mit Maß und Ziel sowie Achtsamkeit und Respekt - vor unserem Gegenüber und vor der Natur. In der Medienlandschaft könnte man sogar völlig gefahrlos aus dem Vollen schöpfen.