Trotz verfügbarer Therapie sterben weltweit fast 4.000 Menschen pro Tag an Tuberkulose (TBC). Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist Träger einer beschwerdefreien, latenten Tuberkulose, die aber ansteckend ist und bei Schwächung des Immunsystems ausbrechen kann. Seit Beginn der Corona-Krise werden in Österreich weniger, dafür vermehrt schwere TBC-Fälle registriert, informierte die Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) am Montag anlässlich des Welttuberkulosetags am 24. März.

Die Erreger werden durch Tröpfchen in der Atemluft übertragen, meist manifestiert sich die Erkrankung in der Lunge, doch fast alle Organe können betroffen sein. Der Verlauf kann schwer sein und tödlich enden, zog die ÖGP in einer Aussendung Vergleiche zu Covid-19. TBC sei als von Bakterien verursachte Erkrankung mit global zehn Millionen Infektionen und Jahr für Jahr 1,4 Millionen Todesfällen eine der tödlichsten Infektionskrankheiten.

Prinzipiell heute heilbar

"Tuberkulose ist eine heute prinzipiell heilbare Infektionskrankheit, deren Gefahr aber darin besteht, dass eine unzureichende Therapie oder Therapiefehler zur Entwicklung resistenter Tuberkulosebakterien führen, die dann nur sehr schwer oder im schlimmsten Fall nicht mehr therapierbar sind", erläuterte der Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Linzer Universitätsklinikum und ÖGP-Generalsekretär, Bernd Lamprecht. Das österreichische Gesundheitssystem verfüge über genügend strukturelle und finanzielle Ressourcen, um Tuberkulose-Patienten auch in Zeiten der Pandemie ausreichend und umfassend zu diagnostizieren und versorgen.

Eine rasche Diagnostik ist von großer Wichtigkeit. Wer früh diagnostiziert und behandelt wird, erkrankt nicht so schwer, die Gefahr von Folgeschäden ist weitaus geringer und die Infektionskette schnell durchbrochen. "Wir beobachteten, dass während der Monate der Covid-19-Wellen im Frühjahr und Herbst deutlich weniger TBC-Patienten ins Krankenhaus gekommen sind als im Vergleichszeitraum in den Jahren zuvor. In den Phasen dazwischen sahen wir hingegen vermehrt TBC-Patienten mit deutlich schwereren Ausprägungen", berichtete Helmut J.F. Salzer, Leiter des Arbeitskreises Infektiologie und Tuberkulose der ÖGP.

Therapieerfolg bei schwerer Erkrankung schlechter

Dies sei aus zwei Gründen sehr beunruhigend: Zum einem, da diese Patienten länger infektiös in ihren Familien, unter Freunden oder mit ihren Arbeitskollegen zusammen sind und somit die Infektionskette größer sein könnte. Zum anderen, weil der Therapieerfolg bei einer schwereren Erkrankung schlechter ist. Entscheidend für eine erfolgreiche Tuberkulosekontrolle ist laut Salzer, bei klassischen Symptomen, wie länger bestehendem Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust, an das mögliche Vorliegen einer Tuberkulose zu denken. (apa)