Angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen holen immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice. Doch wie schützen wir uns im Büro vor Ansteckungen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2, das, wenn auch auf niedrigem Niveau, weiterhin kursiert? Und welchen Zustand muss "gute" Raumluft haben, um als solche zu gelten?

Gute Raumluft kennt laut Experten keine anerkannte Definition. Klar ist nur, was sie nicht enthalten soll: chemische Dämpfe, etwa von Klebstoff, Feinstaub, etwa von Abgasen oder Druckern, biologische Verschmutzungen, etwa von Schimmelsporen, Staubmilben oder Pollen, und Partikel von Viren und anderen Krankheitserregern.

"Gute Raumluft ist möglichst frei von Verunreinigung. Sie sollte einen frischen Geruchseindruck machen, also nichtabgestanden riechen", sagt Hans-Peter Hutter, stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin am Zentrum für Public Health der Medizinuni Wien. "Es muss nicht duften, im Gegenteil: Manche Formen der Beduftung erzeugen wieder eigene Partikel. Eine gute Innenraumqualität sollte vielmehr das Wohlbefinden steigern und im besten Fall erholsam sein", erklärt er. Das wiederum sei ohne "ausbalanciertem Raumklima", wie Hutter es nennt, nicht möglich. Sprich, es sollte im Zimmer weder zu heiß, noch zu kalt, weder zu feucht, noch zu trocken sein, und die Luft sollte bewegt werden, ohne dass es ununterbrochen zieht.

Das bedeutet: Fenster auf! Eine möglichst hohe Frischluftzufuhr sei eine der wirksamsten Methoden, um chemische oder biogene Schadstoffe, ebenso wie potenziell virushaltige Tröpfchen und Aerosole aus Innenräumen zu entfernen, heißt es in einem Positionspapier des Arbeitskreises Innenraumluft des Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz. "Wie oft zu lüften ist, hängt davon ab, wie viele Menschen in einem Raum welcher Dimension welchen Aktivitäten nachgehen", erklärt Hutter. Die Faustregel lautet: Mindestens vier bis fünf Mal täglich Stoßlüften. Der Luftwechsel vollzieht sich rasch - je kälter es draußen ist, desto schneller, da die warme Luft hinausdrängt. Im Sommer könne man den ganzen Tag offenlassen.

Gute Luft ist reine Luft

Wie aber können Kongresshallen, Konzertsäle, Restaurants und Büros die adäquate Mischung bieten? Experten empfehlen Belüftungsanlagen, die ähnlich wie im Flugzeug Außenluft von oben zuführen und verbrauchte Luft nach unten absaugen. So werden Schadstoffe und Viren-Aerosole abtransportiert. Wenn allerdings jemand ohne Maske seinen Sitznachbar anniest, anhustet, anschreit oder laut besingt, besteht die Gefahr einer Töpfcheninfektion unvermindert. Coronaviren haben einen Durchmesser von 0,12 bis 0,16 Mikrometer, werden aber meist als Bestandteil größerer Partikel emittiert. An der Luft schrumpfen die ausgeatmeten Tröpfchen rasch, weil der Großteil ihres Wasseranteils verdunstet. Dabei entstehen kleinere Partikel, die mehrere Stunden in der Luft verbleiben können. In unzureichend belüfteten Räumen steigt das Risiko einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 und anderen Infektionskrankheiten. Neben den Tröpfchen, die Infizierte im Raum verbreiten, wenn sie lachen, laut reden oder - bei Sportveranstaltungen - ihr Team anfeuern, spielen luftgetragene Aerosole, die sich wie ein Nebel verteilen können, eine nicht zu unterschätzende Rolle.

In Mitteleuropa spielen sich insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten 80 bis 90 Prozent des Tagesablaufs in geschlossenen Räumen ab. Das Infektionsrisiko könne durch konsequente Lüftung und den sachgerechten Einsatz von raumlufttechnischen Anlagen deutlich gesenkt werden, heißt es in der Arbeit mit dem Titel "Positionspapier zu lüftungsunterstützenden Maßnahmen durch Einsatz von Luftreinigern zur Covid-19 Prävention". Laut Umweltmediziner Hutter wurde zumindest im Vorjahr zu wenig vorgesorgt. "Stattdessen haben wir unter anderem die Schulen wieder zugesperrt. Es bleibt zu hoffen, dass das heuer anders wird", sagt er.

Damit Österreich nicht in den nächsten herbstlichen Lockdown schlittert, sollten schon jetzt adäquate Belüftungsanlagen gewartet oder überhaupt erst eingebaut werden. Hutter hat gemeinsam mit dem Innenraumanalytiker Peter Tappler einen Corona-Risiko-Rechner entwickelt, mit dem sich das Risiko berechnen lässt, sich in einem Raum mit Covid-19 anzustecken. Doch warum machen die Menschen so ungern die Fenster auf? Die Antwort ist einfach: Bequemlichkeit. "Es ist wie beim Händewaschen. Man hat es immer noch nicht ganz automatisiert."