Innsbruck. Forscher der Meduni Innsbruck haben eine Gen-Mutation entdeckt, die das Risiko mindert, einen Herzinfarkt zu erleiden. Sie senkt sogenannte Lipoprotein(a)-Konzentrationen im Körper. Dabei handelt es sich um einen Bestandteil der Blutfette. Rund 20 Prozent der Bevölkerung weisen einen erhöhten Lp(a)-Spiegel auf und sind dadurch gefährdeter, einen Herzinfarkt zu bekommen. Das neue Gen könnte hier Abhilfe schaffen, beschreibt das Forscherteam im "European Heart Journal".

Die bisher übersehene Mutation liege in einer "schwer zugänglichen Genomregion" und konnte mittels innovativer Technologien identifiziert werden, so das Team unter der Leitung der beiden Genetiker Florian Kronenberg und Stefan Coassin vom Institut für Genetische Epidemiologie in einer Aussendung.

Medikamente in Phase III

Mit genetischen Daten von fast einer halben Million Menschen haben die Forscher belegt, dass die Lp(a)-senkende Mutation das kardiovaskuläre Risiko maßgeblich mitbestimmt und bei 40 Prozent der Bevölkerung vorkommt. "Das Spannende dabei ist, dass Lp(a)-Werte zwischen Personen um mehr als das 200-Fache schwanken können. "Wir wissen, dass dies größtenteils genetisch durch das neu entdeckte Gen bedingt ist, kennen aber die genauen Ursachen dafür nicht", erklärte Coassin. Der Abschnitt, in dem die Forscher das Gen lokalisieren konnten, könne in einer Person einmal und in einer anderen bis zu 40 Mal vorhanden sein.

Untersuchungen ergaben, dass die durch die Mutation bedingte, Lp(a)-Senkung bereits ausreicht, um das kardiovaskuläre Risiko um neun Prozent herabzusenken. Spezifische Medikamente, die das Blutfett Lp(a) senken, würden derzeit in Phase-III-Studien getestet. Die Ergebnisse seien ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur zielgerichteten Risikominimierung.