In der nordostchinesischen Provinz Heilongjiang wurde der größte Meteoritenkrater nachgewiesen, der laut Forschern in den vergangenen 100.000 Jahren auf der Erde entstanden ist. Der Krater hat einen Durchmesser von 1,85 Kilometer und eine maximale Tiefe von 150 Meter. Der Meteorit dürfte vor rund 50.000 Jahren eingeschlagen sein, schreiben Wissenschafter, darunter der Wiener Impakt-Forscher Christian Köberl, im Fachblatt "Meteoritics and Planetary Science".

Rund 200 Krater auf der Erde sind bisher eindeutig auf einen Meteoriteneinschlag zurückzuführen, in China kannte man mit dem Xiuyan-Krater bisher nur einen Meteoritenkrater. Wissenschafter der Chinesischen Akademie der Wissenschaften haben nun gemeinsam mit Christian Köberl, Professor für Impaktforschung und Planetare Geologie an der Universität Wien, anhand von Bohrproben eine kreisförmige geologische Struktur am südöstlichen Rand des Kleinen Xing'an-Gebirges in der Nähe der Stadt Yilan als Impaktkrater identifiziert.

Asteroid hatte Durchmesser von rund 100 Meter

Sie zeigten, dass der Yilan-Krater auf einen Impakt zurückzuführen ist, bei dem vor rund 50.000 Jahren ein Asteroid auf der Erde einschlug. Als allgemeine "Faustregel" gelte, dass ein Krater rund 15 bis 20 Mal größer als sein Verursacher ist, erklärte Köberl. Den chinesischen Medien genannte Größe des Asteroiden von rund 100 Meter Durchmesser passe hier ganz gut. Vom sichelförmigen Kraters sind große Teile gut erhalten, etwa ein Drittel seines Randes ist erodiert.

Auch wenn die kreisförmige Struktur schon lange bekannt war, sei der Nachweis, dass es sich tatsächlich um einen Impaktkrater handelt, "immer recht schwierig und zeitraubend", sagte Köberl. Notwendig dafür seien detaillierte mineralogisch-petrographische und geochemische Untersuchungen meist von Bohrkernen, da die Oberflächengesteine verwittert oder schon zugedeckt seien.

Beim Yilan-Krater haben die chinesischen Wissenschafter einen über 400 Meter langen Bohrkern aus dem Zentrum der Struktur geborgen. Unterhalb der über 100 Meter starken Sedimentschicht fanden sich Granitbrekzien, wo durch den Impakt das Gestein zertrümmert und danach zusammengebacken wurde, sowie Minerale, die durch hohen Druck zu sogenannten "Hochdruckmodifikationen" verdichtet wurden. Weiters fand man verschiedene Schmelzprodukte wie Glas. In den genauen Analysen, die von Köberl kontrolliert und verifiziert wurden, zeigten sich die für ein Impaktereignis typischen Schockveränderungen im Gestein, etwa geschockte Quarze, die nur bei sehr hohem Druck entstehen.

Köberl wurde kürzlich von der internationalen "Meteoritical Society" für seine Tätigkeit als Generaldirektor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien von 2010 bis 2020 sowie seine "unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit" zu den Themen Meteoriten und Einschlagskrater mit dem "Service Award" für 2021 ausgezeichnet. (apa)