Anlässlich des Wiener Krebstages am 6. September plädieren Experten für eine Auffrischungsimpfung  für alle Krebspatienten, Risikopersonen und Angehörige des Gesundheitspersonals in den kommenden Wochen. Sie warnen, dass in den kommenden fünf Jahren mit einer bis zu elf Prozent höheren Krebssterblichkeit zu rechnen sei, da im Lockdown weniger Früherkennungsuntersuchungen von Patienten wahrgenommen wurden.

Der Präsident der Österreichischen Krebshilfe, Gynäkologe Paul Selvelda empfiehlt allen Menschen dringend zu Früherkennungsuntersuchungen zu gehen, sonst riskiere der Fortschritt in der Krebsmedizin der vergangenen Jahre verlorenzugehen. Laut dem Onkologen Christoph Zielinski sei bis zur Pandemie durch die moderne Immuntherapie für Lungenkrebspatienten die Krebssterblichkeit jährlich um etwa drei Prozent gesunken. Doch die COVID-Krise habe gerade Krebspatienten viel abverlangt, so die Präsidentin der "Leben-mit-Krebs"-Initiative Gabriela Kornek. So durften Begleitpersonen nicht in die Ambulanzen mitkommen. Die Behandlung onkologischer und herzchirurgischer Patienten wurde aber im Wiener AKH, dessen ärztliche Direktorin Kornek ist, nie ausgesetzt.

"Der dritte Stich ist wichtig"

Die Vorsitzende des nationalen österreichischen Impfgremiums, Vakzinologin Ursula Wiedermann-Schmidt empfiehlt: "Die ersten dieser dritten Impfungen sollten mit September dieses Jahres beginnen". Diesen "dritten Stich" sieht sie vor allem für Krebspatienten, Risikopersonen mit chronischen Erkrankungen, Durchgeimpfte ab 65 Jahren und für alle Angehörige der Gesundheitsberufe als wichtig an. Auch Selvelda betont: "Der dritte Stich ist wichtig. Noch viel wichtiger aber ist, dass jene 30 Prozent der Menschen zu den Impfungen kommen, die noch nicht den ersten oder zweiten Stich erhalten haben."

Keine dringende Indikation bei gesunden komplett Geimpften

Auch in Großbritannien sollen etwa eine halbe Million Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem eine dritte Corona-Impfung erhalten. An Leukämie oder HIV erkrankte sollen ebenso wie Empfänger einer Organtransplantation die Möglichkeit einer dritten Impfdosis bekommen, sofern ihre zweite Impfung mindestens acht Wochen zurückliegt und sie zwölf Jahre oder älter sind.

Die Europäische Seuchenbehörde ECDC sieht aktuell den Bedarf an einer Auffrischungsimpfung nur bei Personen mit  geschwächtem Immunsystem. Bei ansonsten gesunden komplett Geimpften gäbe es  keine dringende Indikation für eine dritte Impfung.

(apa/dpa/reuters)