Wie aus dem Jahresbericht der nationalen Referenzzentrale für Pneumokokken hervorgeht, ist es im Jahr 2020 zu 356 Erkrankungsfällen gekommen. 19 Personen sind daran gestorben. Die Zahlen seien aufgrund der Covid-Schutzmaßnahmen zwar deutlich niedriger als in den Jahren zuvor, bedeuten aber vermutlich keine Trendumkehr, heißt es in einer Aussendung der Medizinischen Universität Wien. Ähnlich viele Fälle gab es zuletzt 2013, und zwar ohne Hygienemaßnahmen. Ein Großteil der gefundenen Serotypen wäre durch die verfügbaren Impfstoffe abgedeckt gewesen, betont Ursula Kunze vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien.

"Es ist sogar zu erwarten, dass wir in den nächsten Jahren ähnlich viele oder sogar mehr Fälle von invasiven Pneumokokken-Erkrankungen sehen werden als 2019, wenn sich nicht mehr Menschen, besonders Risikogruppen und Ältere, dagegen impfen lassen", erläutert die Wissenschafterin. 2019 waren 615 Fälle registriert worden, 2013 beziehungsweise 2014 waren die Fallzahlen mit 355 und 323 zum letzten Mal ähnlich hoch wie 2020.

Im Unterschied zu Sars-CoV-2 oder Influenza ("echte" Grippe) handelt es sich bei Pneumokokken nicht um Viren, sondern um Bakterien. Sie werden durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen. Insgesamt sind knapp 100 Pneumokokken-Serotypen, also Untergruppen, bekannt. Insgesamt waren im Vorjahr mehr als zwei Drittel der Erkrankungsfälle mit identifizierten Serotypen auf in Impfstoffen enthaltene Serotypen zurückzuführen. Ein Großteil der Infektionen wäre damit abgedeckt gewesen.

Impfungen seit Jahren

Pneumokokken-Schutzimpfungen existieren seit Jahren. Im österreichischen Impfplan wird die Immunisierung allen Personen ab 60 sowie Risikopersonen jedes Alters mit Vorerkrankungen empfohlen. Notwendig sind zwei Impfungen mit verschiedenen Impfstoffen. Viele Erwachsene, aber vor allem Kinder sind mit Pneumokokken besiedelt, ohne krank zu sein. Wenn sie aber erkranken, ist eine Therapie mit Antibiotika erforderlich.

2020 erkrankten auch acht Kinder unter einem Jahr und drei Kinder unter zwei Jahren. Ähnlich wie bei Erwachsenen leiden auch sie häufig an Lungenentzündungen, bei ihnen können sich Pneumokokken-Infektionen aber auch in Form von Mittelohrentzündungen äußern. Kinder können ab dem dritten Lebensmonat geimpft werden, in diesem Fall ist die Impfung dreiteilig und bis zum fünften Lebensjahr gratis.

"Pneumokokken-Erkrankungen werden immer noch unterschätzt", so Kunze. "Im Krankenhaus sehen wir ja nur die Spitze des Eisbergs. Viele jener Lungenentzündungen, die glücklicherweise noch vom Hausarzt behandelt werden können, gehen ebenfalls auf Pneumokokken zurück und wären in vielen Fällen durch Impfungen vermeidbar. Leider ist die Durchimpfungsrate, die derzeit gerade einmal im niedrigen zweistelligen Bereich liegt, viel zu gering", berichtet die Impf- und Public-Health-Expertin.