Wien. Frauen und Männer haben sich im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 deutlich anders verhalten. Das zeigt eine im Fachblatt "Scientific Reports" veröffentlichte Studie, in der Wiener Forscher anonymisierte Mobilfunkdaten eines heimischen Mobilfunkbetreibers von 1,2 Millionen Personen ausgewertet haben. Demnach telefonierten Frauen in der Krise länger, während sich Männer weniger stark in ihrer Mobilität einschränken ließen. Für beide Geschlechter verkürzte sich die tägliche Aktivitätsperiode um rund eine Stunde.

Für Tobias Reisch vom Complexity Science Hub war das Herunterfahren des öffentlichen Lebens im März 2020 "wie ein bevölkerungsweites Live-Experiment". Dank der Daten konnten die Forscher das Telefonier-, und das Mobilitätsverhalten beobachten. Überrascht waren sie über die Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern. Telefonate, an denen Frauen beteiligt waren, dauerten im Schnitt deutlich länger, wobei es große Unterschiede gab, je nachdem, wer wen anrief. Anrufe von Frauen zu Frauen dauerten im Vergleich zu vor dem Lockdown mehr als doppelt so lange, Anrufe von Männern bei Frauen rund doppelt so lang. Riefen Frauen bei Männern an, waren die Gespräche im Durchschnitt um 80 Prozent länger als in Vorkrisenzeiten. Alle Klischees erfüllt wurden bei den Telefonaten zwischen Männern - die verlängerten sich mit einem Plus von 66 Prozent an wenigsten.

Weniger Tagesaktivität

Die Daten bestätigen Ergebnisse aus der sozialwissenschaftlichen Forschung. Demnach wählen Frauen tendenziell aktivere Strategien zur Stressverarbeitung, etwa indem sie mehr mit anderen reden. Die zudem festgestellte Abnahme der täglichen Aktivitätsperiode um eine Stunde könnte am Wegfall des täglichen Wegs zur Arbeit liegen, so die Wissenschafter in ihrer Publikation.