Innsbruck. Im Labor künstlich hergestellte Antikörper werden immer öfter in der Behandlung von Krebs oder Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Der Tiroler Chemiker Klaus Liedl arbeitet an der Universität Innsbruck am optimalen Design solcher therapeutischen Antikörper. Dabei werden auch Fragmente von Hai- und Kamel-Antikörpern verwendet.

Antikörper sind ein zentraler Bestandteil des menschlichen Immunsystems. Die Proteine dienen etwa dazu, Viren oder beschädigte Zellen daran zu hindern, in die Körperzellen einzudringen. Diese zentrale Funktion hat die pharmazeutische Forschung dazu inspiriert, therapeutische Antikörper künstlich herzustellen, allerdings sind diese Moleküle sehr groß, sagt Liedl: "Das hat Vor- und Nachteile. Ihre Wirkdauer im Körper ist mit mehreren Wochen länger als bei klassischen Medikamenten aus kleinen chemischen Verbindungen."

Bausteine wie Legoklötzchen

Um das Behandlungsspektrum insbesondere auch bei Krebs auszuweiten, müssten sie auch in die Zelle oder in das Zentrale Nervensystem eindringen können. Hier kommt der Hai ins Spiel. Denn die Binderegionen ihrer Antikörper sind wesentlich kompakter aufgebaut als die menschlichen. Nach deren Vorbild designen Liedl und sein Team winzige Nanobodies: "Wir verwenden den oberen Teil der Hai- oder Kamel-Antikörper, also ihr wesentlich kleineres ‚Binde-Interface‘, und setzen es auf molekularbiologisch veränderte menschliche Antikörper, die dann die weitere Kommunikation mit den Zellen übernehmen", erklärt der Chemiker.

Das Immunsystem produziert als Antwort auf Antigene immer spezifischere, immer stärker bindende Antikörper. Das wird zum Problem, wenn, wie etwa beim Coronavirus, Mutationen auftreten. Liedl will, wie er sagt, "verstehen, wie spezifisch die Antikörper sind".(apa)