Für Kinder ist die Pandemie eigentlich unfair. Sie sind am wenigsten gefährdet, dennoch eine Gruppe, die besonders stark betroffen ist. Sie stellen damit auch eine große Anzahl jener dar, die Sars-CoV-2 übertragen. Nun soll mit einer Impfung ab fünf Jahren dieser Tatsache entgegengewirkt werden. In Wien werden Kinder seit Montag geimpft. Es ist ein regelrechter Run zu verzeichnen. Was Covid-19 für Kinder bedeutet, darüber spricht die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl von der Meduni Wien mit der "Wiener Zeitung".

Immer wieder sind sich Eltern unschlüssig, ob sie ihre Kinder tatsächlich impfen lassen sollen. Die Entscheidung dafür ist nicht ganz so einfach und mitunter mit Sorgen behaftet - auch bei Erwachsenen, die bereits vollimunisiert sind. Dass die Vakzine generell gut vertragen wird, bestätigen Vakzinologen und Kinderärzte bereits.

Selten aber doch ein Risiko

Tatsächlich sei diese Gruppe im Falle einer Covid-19-Infektion viel weniger gefährdet als Erwachsene, dennoch "gibt es eine seltene schwere Erkrankung - generelles Entzündungssyndrom genannt (PIMS oder MISC) -, das bei etwa einem von 1.000 Kindern etwa zwei bis sechs Wochen nach einer Sars-CoV-2-Infektion auftritt", erklärt Puchhammer-Stöckl. Vermutlich sei diese durch eine Überaktivierung des Immunsystems nach Covid verursacht und kann im schwersten Fall zu einem Multiorganversagen führen. "Das muss man bei der Nutzen-Risiko-Abwägung einer Impfung für Kinder miteinbeziehen."

Dass eine Infektion bei Kleinkindern problematisch werden kann, zeigt der Fall eines 15 Monate alten Mädchens, das derzeit die jüngste Covid-Patientin Österreichs ist. Das Kind sei fünf Tage lang auf der Vöcklabrucker Kinderstation gelegen und behandelt worden, als sich sein Zustand plötzlich dramatisch verschlechtert habe. Es ist dem Humanen Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), das eine akute Atemwegserkrankung auslöst, sowie Sars-CoV-2 infiziert. Diese Kombination habe "zu einem extrem schweren Verlauf geführt", so der Intensivmediziner Christian Dopler vom Salzkammergut Klinikum.

Warum eine Sars-CoV-2-Infektion in jüngeren Jahren zumeist doch eher unproblematisch verläuft, werde nach wie vor wissenschaftlich untersucht. Aber "es ist zu vermuten, dass es unter anderem mit verschiedenen Aspekten des Immunsystems zu tun hat, die bei gesunden Kindern anders sind als bei Erwachsenen". Dennoch sind sie auch vor Long Covid nicht gefeit. Diese Langzeitfolge könne bei ihnen vorkommen, wurde allerdings seltener beobachtet als in höheren Altersklassen. Besonders Kinder mit Vorerkrankungen seien "auf jeden Fall" bestmöglich vor einer Infektion zu schützen, nimmt Puchhammer-Stöckl wieder Bezug auf die Impfung. Damit könnten zudem Infektionsketten unterbrochen werden. Tückisch ist ja, dass die Kleinen sich anstecken, großteils kaum Symptome haben - das Virus aber erfolgreich weitertragen.

Herdenimmunität keine Frage

Die Kinder erhalten eine verringerte Menge des BioNTech/Pfizer-Impfstoffes. Über die genaue Dosis entscheidet der Arzt an Ort und Stelle, hieß es zuletzt. Diese sei abhängig von der körperlichen Beschaffenheit des Kindes als auch vom Körpergewicht. Eine offizielle Zulassung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) für die Impfung unter zwölf Jahren gibt es allerdings noch nicht.

Die in der Vergangenheit viel zitierte Herdenimmunität, die mit dem Durchlaufen einer Erkrankung vieler Menschen üblicherweise entsteht, wurde aufgrund der Gefährlichkeit der Erkrankung immer wieder ad acta gelegt. Bei der Impfung ist die Idee "nicht korrekt", betont Puchhammer-Stöckl. Die Impfung bewirke vor allem den Schutz des Einzelnen vor schwerer Infektion. Doch kann es trotzdem zu einer kurzfristigen Virusvermehrung etwa an der Oberfläche der Nasen- oder Rachenschleimhaut kommen und zu einer klinischen auffälligen respiratorischen Infektion kommen. Diese werde dann aber durch die spezifische Immunantwort, die von der Impfung vorbereitet wurde, rasch bekämpft, betont die Virologin. "Ausgenommen sind da leider immunsupprimierte Personen, bei denen die Impfung oft schlecht wirkt."