Die derzeit in aller Welt grassierende Omikron-Variante des Coronavirus hat massiven Einfluss auf die Frage, inwieweit die derzeit verwendeten Impfstoffe, deren Entwicklung in ihrer Gesamtheit auf den Ursprungs-Stamm von Sars-CoV-2 zurückführen, weiterhin wirksam sein werden. Omikron umgeht im Gegensatz zu allen vorherigen Mutationen den Immunschutz offensichtlich recht erfolgreich, wie der Anstieg der Infektionszahlen offenbart. Derzeit arbeiten Impfstoffhersteller bereits an Anpassungen ihrer Vakzine, um die Wirksamkeit wieder zu erhöhen und besser aufgestellt zu sein. "Wenn alles gut geht, könnten wir schon im Frühjahr eine angepasste Variante haben", erklärt die Vakzinologin Ursula Wiedermann-Schmidt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Trotz der Tücken von Omikron scheinen die bisherigen Impfstoffe für Geimpfte dennoch einen Vorteil hervorzubringen. Man brauche noch mehr Daten, "doch es zeigt sich ein deutlicher Schutz vor allem vor schweren Verläufen", schildert die Medizinerin. Auch gebe es vereinzelt Meldungen, dass Dreifachgeimpfte, obwohl sie in Kontakt mit Virusträgern waren, "nicht betroffen sind".

Frage der Wirksamkeit

Die größte Chance, vor allem auch schnell zu einer veränderten Vakzine zu kommen, gebe es bei den mRNA-Impfstoffen. Die für Vakzine neu eingesetzte Technologie bringe den Vorteil mit sich, dass sie relativ gut und schnell an unterschiedliche Varianten angepasst werden kann. Auf Geschwindigkeit kann auch deswegen gesetzt werden, weil es für die Herstellung keine großen Produktionsstätten braucht. Wiedermann-Schmidt rechnet damit, dass schon im Frühjahr 2022 eine entsprechende Vakzine fertiggestellt sein kann. Es gebe bereits sehr viel Information darüber, dass die Pharmaunternehmen Biontech/Pfizer und Moderna schon daran arbeiten.

Wie gut die Wirksamkeit bei den demnächst auf den Markt kommenden Totimpfstoffen sein wird, könne man noch nicht genau sagen. Zuletzt war etwa bekannt geworden, dass der Corona-Impfstoff CoronaVac des chinesischen Herstellers Sinovac bei der Omikron-Variante völlig versagt.

Grundsätzlich besteht der Unterschied der Vakzine darin, dass die bereits verfügbaren mRNA- Impfstoffe dem Körper nicht das gesamte Virus präsentieren, wie es bei einer Erkrankung selbst oder bei Totimpfstoffen in inaktivierter Form vorkommt, sondern einen Bauplan für einen bestimmten Bestandteil des Erregers - nämlich dem viel zitierten Spike-Protein, das die Oberfläche des Virus bedeckt. Auch beim Vektorimpfstoff ist das Ziel, dass der Körper selbst Spike-Proteine herstellen kann. Allerdings wird ein Virus als Transportmittel eingesetzt.

Gute Aussicht für 2022

Beim Totimpfstoff, wie er etwa auch vom französisch-österreichischen Pharmakonzern Valneva quasi in den Startlöchern steht, sei die Anpassung "noch eine Herausforderung", erklärt Wiedermann-Schmidt. Sie sieht ihn allerdings als eine "Alternative für Menschen, die sich mit mRNA-Impfstoffen just nicht impfen lassen wollen". Zwar seien die Booster-Antworten mit mRNA deutlich höher als mit sogenannten Subunit-Vakzinen, dennoch gehe es für die Medizinerin vor allem auch darum, eine Alternative anbieten zu können, um eine Grundimmunität gegen das Virus aufbauen zu können.

Ihre größte Sorge bestehe nämlich darin, dass der Prozentsatz der Ungeimpften groß bleibt. Mit einem Totimpfstoff "kann man sie ins Boot holen", hofft Wiedermann-Schmidt.

Gute Aussichten sieht sie für das Jahr 2022. "Die Situation wird sich eindeutig bessern, als es vor einem Jahr war, wo wir erst mit den Impfungen begonnen haben". Wenngleich die neuen Varianten immer wieder für allgemeine Beunruhigung sorgen. Doch könne man dem mit der Impfung "eindeutig entgegenwirken". "Man darf nicht vergessen, dass alleine das schon eine positive Richtung ist", betont die Vakzinologin abschließend.