Insgesamt 2,8 Millionen Menschen weltweit leiden an Multipler Sklerose (MS). Die nicht ansteckende Autoimmunerkrankung ist die häufigste entzündliche Krankheit des zentralen Nervensystems bei jungen Erwachsenen. Bei 80 bis 90 Prozent der Betroffenen verläuft sie schubweise, bei zehn bis 15 Prozent führt sie zu Behinderungen. Derzeit gibt es keine Heilung. Doch ein US-Team ist den Ursachen von MS einen entscheidenden Schritt näher gekommen.

MS werde höchstwahrscheinlich durch eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), Erreger des Pfeiferschen Drüsenfiebers, ausgelöst. Das berichtet die T.H. Chan-Schule für Öffentliche Gesundheit der Universität Harvard im US-Staat Massachusetts im Fachmagazin "Science". "Wir haben überzeugende Hinweise, dass eine Kausalität besteht", wird Studienleiter Alberto Ascherio in einer Aussendung der Universität zitiert: "Das ist ein Riesenschritt, der nahelegt, dass die meisten Fälle von MS verhindert werden könnten, indem man EBV-Infektionen abwendet. Multiple Sklerose könnte somit heilbar werden."

Impfung könnte MS stoppen

MS greift Biomembrane im zentralen Nervensystem an. Das Herpes-Virus EPV kann grippeähnlichen Beschwerden und eine latente, lebenslange Infektion des Wirts auslösen. Laut den Forschern stecken sich die meisten Erwachsenen im Lauf des Lebens mit Pfeiferschem Drüsenfieber an, jedoch bricht nur bei wenigen MS aus, das zudem erst zehn Jahre später.

Um die Kausalität nachzuweisen, wurden zehn Millionen junge Erwachsene im US-Militär getestet, von denen 955 im Studienzeitraum eine MS-Diagnose erhielten. Alle zwei Jahre wurde der EBV-Status in Vorsorgeuntersuchungen geprüft. Das MS-Risiko war bei Personen, die das Pfeifersche Drüsenfieber gehabt hatten, um das 32-Fache höher als bei anderen. "Eine EBV-Impfung könnte auch MS verhindern", so Ascherio.(est)