Omikron hat bereits etliche Verwandten erhalten, der Untertyp BA.2 breitet sich in Norwegen, Schweden und Großbritannien aber bereits verdächtig aus und dürfte in Dänemark schon der bisherigen Omikron-Variante BA.1 in den kommenden Tagen den Rang als dominante Form abgelaufen haben. Viel ist über die erneut veränderte Spielart noch nicht bekannt, wie der Genetiker Ulrich Elling zur APA sagte.

Auch in Österreich wurde BA.2 durch die systematischen Analysen von Proben aus Kläranlagen bereits nachgewiesen, wie der Leiter des "Schulstandortmonitorings", Heribert Insam, kürzlich erklärte. Im über die Variantenverteilung im Land bestens informierten Dänemark, gehen die Fälle mit BA.1 zwar wieder zurück, die Infektionen mit Omikron BA.2 steigen jedoch an. Ein ähnlicher Trend deute sich in England an, so der am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) tätige Elling.

Monitoring ist schwieriger


Die Überwachung von BA.2 ist schwieriger, da sich bei dieser Variante der sogenannte S-Gen-Drop-out nicht zeigt. Bei bestimmten PCR-Tests wird ein Gen, eben das S-Gen, bei Omikron nicht detektiert, das diente bisher als sehr wahrscheinlicher Hinweis auf die Omikron-Variante. Daher ist die Unterscheidung nur mit aufwendigen Sequenzierungen zu treffen.

Bisher haben, wie Public Health England, berichtet, bereits 40 Länder insgesamt mehr als 8.000 Fälle von BA.2 in die internationale Datenbank GISAID gemeldet, die erste Entdeckung wurde am 17. November von den Philippinen gemacht. Aus Dänemark wurden bereits mehr als 6.000 Fälle von BA.2 in das System hochgeladen. In einer Auswertung den dänischen Seruminstitut wir der Anteil in der zweiten Kalenderwoche vorläufig, mit noch wenigen Daten, bereits mit 45 Prozent angegeben.

Impfungen dürften weiter wirksam sein


Das Seruminstitut in Kopenhagen hat in einer ersten Analyse keinen Unterschied in der Zahl der Krankenhauseinweisungen zwischen BA.1, also der herkömmlichen Omikron-Variante, und BA.2 gefunden. Weitere Analysen, etwa hinsichtlich der Infektiosität und der Impf-Wirksamkeit, sind noch im Gange. "Es ist zu erwarten, dass die Impfungen auch einen Effekt gegen schwere Erkrankungen bei einer BA.2-Infektion bieten", schreibt das Seruminstitut. Auch Elling hält dies für plausibel.

Molekularbiologisch ist bekannt, dass sich die beiden Typen beim Spike-Protein deutlich unterscheiden, konkret in 18 Mutationen. Zum Vergleich: Die Delta-Variante hat im Spike-Protein insgesamt nur acht Mutationen gegenüber dem ursprünglichen Virus. Denkbar sei, dass BA.2 einem aufgebauten Immunschutz noch besser entkommen kann. Das könne bedeuten, dass Menschen, deren Immunität eine Infektion mit BA.1 noch abwehren konnte, vielleicht vor einer BA.2-Infektion weniger gefeit sind, sagt Elling.

Hinweise auf höhere Infektiosität


Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass BA.2 infektiöser sein und sich dadurch schneller vermehren könnte. Das sei denkbar, da es ganz neue, aber insgesamt weniger Mutationen in der "komplett unterschiedlichen" N-Terminale (NTD) gegenüber BA.1 aufweist. Die NTD sind die drei Spitzen des von oben betrachteten S-Proteins. Diese Strukturen sind für das Verschmelzen von Virus und menschlicher Zelle verantwortlich. Die vielen dortigen Veränderungen in BA.1 könnten für diesen Abkömmling einen Nachteil bei der Vermehrung darstellen, mit dem BA.2 womöglich weniger zu kämpfen hat. Hier dürfte auch der Schlüssel dafür liegen, dass sich die bisherige BA.1 Variante von Omikron schwerer beim tieferen Vordringen in die Lunge tut und dass die Verläufe milder sind.

Wohin die Entwicklung des Coronavirus insgesamt geht, sei "noch unvorhersehbar". Die jeweils neuen Varianten kamen immer wieder aus anderen Richtungen. Damit Sars-CoV-2 letztlich endemisch - also zu einem saisonal wiederkehrenden Erreger, der aber keine große Epidemie verursacht - wird, braucht es vor allem ein Immunsystem, dessen T-Zellen den Erreger in möglichst verschiedenen Erscheinungsformen erkennen. Die T-Zellen sind eine Gruppe der weißen Blutkörperchen, deren Aufgabe es ist, neue Bedrohungen zu erkennen und die erworbene Immunantwort voranzutreiben. Sie können flexibler auf ein Virus reagieren, als die in der Regel spezifischer ausgelegten Antikörper.