Die Corona-Pandemie hat in der Versorgung von Krebspatienten deutliche Spuren hinterlassen, die sich in den nächsten Jahren noch zu erkennen geben werden. Zu diesem Ergebnis kommt der erste "Österreichische Krebsreport", der am Dienstag präsentiert wurde. Aufgrund eines "dramatischen Einbruchs bei den Früherkennungsuntersuchungen besteht die Befürchtung, dass sich das in vier bis fünf Jahren voraussichtlich in einer erhöhten Sterblichkeit ausdrücken wird", betonte Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe. Die Versorgung bereits Erkrankter habe im Vergleich dazu kaum gelitten.

Covid-19 ist das Leitthema der ersten Ausgabe der Gesamtschau über Krebs in Österreich, die von der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) sowie der Krebshilfe initiiert wurde. Zwischen März und Mai 2020 kamen die Mammografie-Screeninguntersuchungen "praktisch zum Erliegen", so Sevelda. Über das Jahr hinweg wurde ein Rückgang der Mammografien im Vergleich zu 2019 um rund 13 Prozent registriert. Bei den Vorsorgekoloskopien zur Darmkrebsfrüherkennung gab es im vergangenen Jahr einen Rückgang bei Männern und Frauen um knappe 15 Prozent.

Jährlich erkranken 42.000 Menschen

Anders sieht es bei den medikamentösen Therapien und Strahlentherapien aus. Hier sei "kein großer Rückgang sichtbar", betonte Karin Eglau von der Gesundheit Österreich GmbH, die die Krebstherapien während der Pandemie analysiert hat. Lediglich bei den Operationen sei über das Jahr gesehen eine leichte Reduktion verzeichnet worden. Einen doch deutlichen Einbruch hatte es allerdings gegen Mitte des Jahres gegeben, denn: "Wenn ich Tumore nicht finde, kann ich sie auch nicht operieren", betonte sie mit Blick auf die nicht in Anspruch genommenen Früherkennungsmaßnahmen.

Als eine Grundlage dienten Daten des Österreichischen Krebsregisters von der Statistik Austria. "Die Anfänge des Registers gehen bis auf 1957 zurück", betonte die Leiterin Monika Hackl. "Die epidemiologischen Daten dienen unter anderem als Berechnungsgrundlage für das erforderliche medizinische Leistungsangebot in den Spitälern bis hin zur Tumornachsorge, Rehabilitation und Berufswiedereingliederung."

Dem Register zufolge erkranken in Österreich jährlich rund 42.000 Menschen an Krebs. Dabei sind Männer etwas häufiger betroffen als Frauen. Für beide Geschlechter stellen bösartige Tumorerkrankungen nach den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache dar. Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern zählen zu den häufigsten Krebsneuerkrankungen. Das relative Dreijahresüberleben nahm in den vergangenen Jahrzehnten zu und liegt in der Diagnoseperiode 2013 bis 2016 im Mittel bei rund 65 Prozent. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, nimmt mit dem Alter deutlich zu. Fast 35 Prozent der Menschen in Österreich erkranken im Laufe ihres Lebens daran.

Versorgung ist hoher Qualität

Während die demografischen Faktoren kaum beeinflussbar sind, könnten die negativen sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Krebs durchaus minimiert werden, so die Experten. Das gilt aktuell für Zeiten der Covid-Pandemie. "Es gab eine dramatische Angst der Krebspatienten, mit Covid-19 infiziert zu werden, zu erkranken und einen schweren Verlauf zu haben", erklärte Sevelda. "Daraus hat sich eine starke Isolation gezeigt. Wir haben bei der Österreichischen Krebshilfe eine Zunahme an notwendiger Beratung und an notwendiger finanzieller Soforthilfe um 30 Prozent gehabt", so der Präsident. Eines der nächsten Projekte sei daher, dass das Betreuungsangebot am Leben erhalten werden kann.

Das Kapitel Forschung präsentiert beeindruckende Zahlen. So wurden im Jahr 2020 immerhin 913 wissenschaftliche Arbeiten aus Österreich in onkologischen Fachjournalen und 622 Arbeiten in nicht spezifisch onkologischen Fachjournalen veröffentlicht", erklärte Armin Gerger, wissenschaftlicher Leiter des Reports.

"Wir haben in Österreich eine sehr hohe Qualität in der Versorgung", stellte Wolfgang Hilbe, Präsident der OeGHO fest. "Und wir haben es geschafft, sie trotz Pandemie weitergehend aufrecht zu erhalten." Dass die Zahlen bei den Früherkennungen zurückgegangen sind, habe dramatische Auswirkungen. Künftig müsse nicht nur die Regelversorgung Erkrankter, sondern auch die Früherkennung weiter fortgeführt werden, betonte Hilbe.

Der Report soll nun jedes Jahr zum Weltkrebstag, der am 4. Februar begangen wird, publiziert werden.