Nahezu täglich gibt es neue Studien über die Auswirkungen des menschlichen Mikrobioms auf die Gesundheit. Die weltweite Forschung dazu sei jedoch verzerrt, wie eine in "Plos Biology" veröffentlichte Arbeit zeigt. Fast die Hälfte aller öffentlich verfügbaren Proben stammen demnach von Probanden aus den USA, obwohl dieses Land nur 4,3 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht. Das wirft die Frage auf, ob die Fortschritte in dem Bereich überhaupt auf alle Länder und Bevölkerungsgruppen anwendbar ist.

Die weltweite Erforschung des menschlichen Mikrobioms ist stark zugunsten wohlhabender Länder ausgerichtet. Die Daten lieferten die Studienautoren nach der Auswertung der weltweiten Bestände an DNA-Sequenzierungsdaten, die zur Messung des Mikrobioms verwendet werden. Ärmeren Ländern werde dabei nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Das menschliche Mikrobiom bezieht sich auf die Gemeinschaften von Mikroorganismen, die auf und im Körper leben. Schätzungen zufolge sind es Billionen von Bakterien, die das Mikrobiom ausmachen. Sie leben überall - vom Dünndarm bis zur Oberfläche des Augapfels.

Auch von Geografie abhängig

Die Forschung zeigt, dass diese Mikroben umfangreiche Interaktionen mit ihren menschlichen Wirten eingehen und weitreichende Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben - positive und negative. Einige Darmmikroben tragen etwa dazu bei, Nahrungsmittel in Nährstoffe aufzuspalten, die dem Menschen auf natürlichem Wege nicht zugänglich sind, während andere mit Erkrankungen wie entzündlichen Darmerkrankungen, Magenkrebs, Diabetes, aber auch Alzheimer in Verbindung gebracht werden.

Dementsprechend wurden seit den frühen 2000er Jahren Milliarden von Dollar in die Forschung dieser Zusammenhänge investiert. Doch "wenn wir uns ansehen, wie sich das Feld entwickelt, wer einbezogen wird und wo die Ressourcen zugewiesen werden, wird deutlich, dass unser Verständnis des menschlichen Mikrobioms die meisten Menschen nicht einschließt", erklärt Hauptautor Richard Abdill.

Es gibt Gründe - etwa wirtschaftliche und politische Faktoren oder logistische Schwierigkeiten in Ländern mit geringer Infrastruktur. Das Mikrobiom wird jedoch von Genetik, Geografie, Ernährung und Lebensstil beeinflusst, weshalb es wichtig wäre, viele Bevölkerungsgruppen zu untersuchen, um Zusammenhänge zu finden. Der Ausschluss der Entwicklungsländer von der Forschung könnte zu einer Situation führen, in der künftige medizinische Behandlungen nur für Menschen in bestimmten Ländern oder Bevölkerungsgruppen wirksam sein könnten.