In Österreich sind die Durchimpfungsraten aller Impfungen deutlich zurückgegangen. Während die Angst vor schweren Verläufen und Koinfektionen mit SARS-CoV-2 und Influenza in der Saison 2020/21 eine massive Nachfrage ausgelöst hatte, ist sie diese Saison stark zurückgegangen. Sie ist gegenüber letzter Saison sogar noch um mehr als fünf Prozent gesunken und lag diesmal bei rund 17 Prozent, berichtete der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) am Montag.

Eine einfache und rasche individuelle Maßnahme könnte ein Impfpasscheck beim Arzt oder Apotheker sein, empfahlen die Impfstoffhersteller. Die Durchimpfungsrate bei Influenza lag diese Saison zwar weit über dem vorpandemischen Niveau, jedoch deutlich unter jenem des letzten Jahres und weit unter dem für einen Gemeinschaftsschutz notwendigen Wert. Die geringe Inanspruchnahme der Influenza-Impfung könnte aber in den nächsten Jahren problematisch werden, da die Influenza-Saisonen nach Wegfall der pandemischen Kontaktbeschränkungen vermutlich wieder deutlich schwerer ausfallen werden als zuletzt.

Influenzajahre

"Zwar ist die Influenza-Saison heuer glimpflich verlaufen", sagte Christoph Jandl, Leiter der Arbeitsgruppe Influenza im ÖVIH. "Das hätte aber auch anders ausgehen können und dann wäre auch in der Risikopopulation ein sehr großer Teil nicht vor einem schweren Verlauf geschützt gewesen." In den letzten vier Jahren vor dem Auftreten von Corona wurde die Anzahl der Influenza-Todesfälle in Österreich pro Winter auf 834 bis 4.436 geschätzt. Bei vielen Apotheken und Ärzten liegen noch unverimpfte Bestände, die hohe Vernichtungskosten verursachen, berichtete der ÖVIH.

Weniger Impfungen auch bei Masern und FSME

Auch bei anderen Impfungen wie Masern oder FSME sind die Durchimpfungsraten durch die Pandemie deutlich unter Druck geraten, in vielen Bereichen öffnen sich große Lücken. Eine davon sind die Masern. Auch hier sah man vor der Pandemie immer wieder Ausbrüche in Österreich, 2019 wurden 151 Masern-Fälle gemeldet. Das Ziel der WHO ist seit Jahren, die Impfungen so weit voranzutreiben, dass die Masern endgültig ausgerottet werden können. Notwendig dafür ist eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent mit zwei Dosen eines Lebendimpfstoffes. 2019 hat sich hinsichtlich Erwachsenen-Nachholimpfungen schon einiges getan, 2020 hat sich dieser Trend allerdings nicht mehr fortgesetzt. "Die Daten zeigen, dass wir auch bei den Masern weiter daran arbeiten müssen, die Durchimpfungsraten sowohl im Kinder- als auch im Erwachsenenbereich zu erhöhen, um das WHO-Ziel und damit eine mögliche Elimination der Masern zu erreichen", betonte Sigrid Haslinger, Vizepräsidentin des ÖVIH.

Bei den wichtigen Basisimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis und Keuchhusten sind die Impfraten ebenfalls deutlich gesunken. Die Rückgänge bei den Impfraten und damit dem Schutz liegen klar im zweistelligen Bereich, genaue Zahlen sind hier allerdings nicht bekannt. Besonders problematisch sind die ausgefallenen Schulimpfungen. "Sie werden ohne besondere Anstrengungen nicht aufzuholen sein", meinte Haslinger.

Gerade jetzt sollten die Menschen neben den Basisimpfungen auch wieder an den Schutz vor FSME denken. In diesem Fall kann aufgrund des Übertragungsweges von Tier zu Mensch zwar keine Herdenimmunität erreicht werden und auch eine Ausrottung ist nicht möglich, ein individueller Schutz durch Grundimmunisierung und regelmäßige Auffrischung dagegen schon. Die Auffrischungen sind notwendig, um weiterhin den hohen Schutz von 97 Prozent zu haben. Wer verpasste Auffrischungen nachholen muss, muss sich übrigens keine Sorgen machen: Auch wenn die letzte Impfung schon zurück liegt, genügt ein Stich, um wieder den vollen Impfschutz zu erreichen. (apa)