Fälle der seltenen Affenpocken treten in immer mehr Ländern auf - nun auch in Spanien, Portugal, den USA und Schweden. In Österreich wurde bisher kein Fall nachgewiesen, gab das Gesundheitsministerium am Donnerstag bekannt. Allerdings befinde man sich dazu "in einem intensiven internationalen Austausch und evaluiert die Lage weiterhin laufend". Derzeit wird die Umsetzung der Meldepflicht geprüft.

Nach dem Auftauchen der Viruserkrankung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einer rigorosen Verfolgung aller Kontakte der Betroffenen aufgerufen. Kliniken und Bevölkerung müssten dafür sensibilisiert werden, einen ungewöhnlichen Hautausschlag von Fachpersonal begutachten zu lassen, teilte die WHO mit. Erhärte sich der Verdacht auf Affenpocken, sollten Patienten isoliert werden.

"Trotz des relativ geringen Risikos" ruft die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) ebenso wie internationale Gesundheitsorganisationen Ärztinnen und Ärzte dazu auf, Affenpocken "bei entsprechenden Symptomen als Differenzialdiagnose zu bedenken". Wer entsprechende Symptome hat, sollte sich von Spezialisten für Infektionskrankheiten untersuchen lassen. Verdachtsfälle sollten isoliert, getestet und benachrichtigt werden, und eine Kontaktverfolgung sollte in beide Richtungen durchgeführt werden. Bei der Mehrheit der bisher bekannten Fälle sind Männer betroffen, die Sexualkontakte zu anderen Männern hatten.

Übertragung durch Sexualkontakt

Nach Großbritannien wurden in Spanien acht Infektionen in der Hauptstadt Madrid gemeldet, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press am Donnerstag. In Portugal schrieb die Zeitung "Público" gar von etwa 20 Infizierten.

Affenpocken-Infektionen beim Menschen waren bisher vor allem aus einigen Regionen Afrikas bekannt. Die Virus-Erkrankung ruft nach Angaben der UK Health Security Agency (UKHSA) meist nur milde Symptome hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. Ansteckend seien nur symptomatisch Erkrankte bei engem Kontakt. Laut UKHSA-Angaben zählen zu den ersten Krankheitsanzeichen Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Schüttelfrost und Erschöpfung. Es könne sich ein Ausschlag entwickeln, der sich oft ausgehend vom Gesicht auf andere Körperteile ausbreite. Der Ausschlag sehe je nach Phase unterschiedlich aus und könne Windpocken und Syphilis ähneln. Es gibt keine spezifische Therapie und keine Impfung dagegen.

Die Pocken des Menschen gelten seit 1980 nach einer großen Impfkampagne weltweit als ausgerottet. Wie das RKI erläutert, haben weite Teile der Weltbevölkerung mittlerweile allerdings keinen Impfschutz mehr.(dpa)