Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen von Krankheiten, die von Tieren zum Menschen und umgekehrt übertragen werden können. Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist mit Abstand das bekannteste Beispiel für eine solche Zoonose. Wie der Name schon sagt, haben auch die nun in Österreich erstmals nachgewiesenen Affenpocken ihren Ursprung in Tierreich. Im Folgenden eine Auswahl von in den vergangenen Jahrzehnten aufgetretenen Zoonosen:

- Affenpocken (Monkeypox virus): Nach der Eliminierung des Pockenvirus durch flächendeckende Impfprogramme im Jahr 1980 stellt der Affenpocken-Erreger derzeit das größte Problem für die öffentliche Gesundheit dar, das von Erregern dieses Typs ausgeht. Zu Übertragungen auf den Menschen kommt es immer wieder, die erste Ansteckung wurde im Jahr 1970 in der Demokratischen Republik Kongo nachgewiesen. Die ursprünglichen Wirte sind vermutlich Nagetiere. Der Erreger kursierte bis vor kurzem großteils in Zentral- und Westafrika. Zu Übertragungen auf den Menschen kann es durch Sekrete und Tröpfcheninfektion, meist über Kontakte mit infizierten Tieren kommen. Mensch zu Mensch-Übertragungen sind bei engem Kontakt möglich. Die Inkubationszeit beträgt laut AGES-Angaben fünf bis 21 Tage. Als Symptome werden hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Husten, Unwohlsein und gelegentlich Durchfall aufgelistet. Im weiteren Verlauf kann ein pockenähnlicher Hautausschlag auftreten. Tödliche Verläufe seien selten, die Erkrankung ist meist nach rund drei Wochen abgeheilt. Die Impfung gegen Pocken verhindert in etwa zu 85 Prozent die Ansteckung mit Affenpocken, so Experten.

- "Coronavirus" Sars-CoV-2: Der Erreger hat seinen Ursprung höchstwahrscheinlich in Fledermäusen, die als Virusreservoir dienen. Die ersten nachgewiesenen Übertragungen auf den Menschen erfolgten im Dezember 2019. Als Zwischenwirt fungierte vermutlich die Schuppentier-Art Pangolin, die in China als Delikatesse verzehrt wird, aber auch Nerze, Hasen, Marderhunde, Hauskatzen oder Dachse können diese Funktion erfüllen. Als wahrscheinlichster Ursprungsort gilt ein Markt in der chinesischen Provinz Wuhan, es werden jedoch immer wieder auch andere Möglichkeiten diskutiert. Der Erreger wird mittels Tröpfchenübertragung von Mensch zu Mensch verbreitet und hat die bis dato anhaltende Covid-19-Pandemie ausgelöst, die weltweit Millionen Tote gefordert hat.

- Influenza ("Echte Grippe"): Als Virusreservoir fungieren Wasservögel. 2003 kam es ebenfalls in China zum Ausbruch des neuen "Vogelgrippe"-Stammes H5N1. Als Zwischenwirte für die Übertragung auf den Mensch fungierte Hausgeflügel. Bis heute wiederkehrende H5N1-Ausbrüche forderten bisher über 400 Tote. Im Gegensatz zur "Vogelgrippe" kann die "Neue Grippe" (H1N1) relativ einfach zwischen Menschen übertragen werden. Die nach dem Zwischenwirt "Schweinegrippe" genannte Influenza-Variante löste von Mexiko ausgehend 2009/2010 eine weltweite Pandemie mit rund 200.000 Toten aus.

- Ebola: Als Virusreservoir der ob ihrer hohen Sterberate von bis zu 90 Prozent besonders gefürchteten Erkrankung gelten Fledermäuse. Als Zwischenwirte werden Affen vermutet. Der letzte große Ausbruch erfolgte in Westafrika von 2014 bis 2016. Damals erkrankten laut Schätzungen mehr als 28.000 Menschen. Es wurden insgesamt 11.316 Tote verzeichnet. Auch heuer gab es einen Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo.

- Sars: Der mit dem neuen Coronavirus zu rund 80 Prozent idente Erreger des "Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms" (SARS) tauchte im Jahr 2002 in China erstmals auf. Unter rund 8.000 Infizierten bis ins Jahr 2003 hinein gab es 800 Tote. Als Überträger zwischen Fledermäusen und dem Menschen fungierte der Larvenroller, eine in Asien heimische Schleichkatzen-Art.

- MERS: Mit dem im Jahr 2012 auf der arabischen Halbinsel aufgetretenen "Middle East respiratory syndrome coronavirus" (MERS-CoV) haben sich bis dato rund 2.500 Menschen angesteckt. Mit 858 Toten ist die Sterberate hier relativ hoch. Wie auch die anderen beiden Coronaviren, die den Menschen betreffen, gelten Fledermäuse als Ursprung. Als Zwischenwirt fungiert das Dromedar.

- West-Nil-Fieber: Vor allem durch steigende Durchschnittstemperaturen ist das West-Nil-Virus in etwa seit der Jahrtausendwende auch in Europa angekommen. Österreich liegt aktuell am nördlichen Rand der Verbreitungsgebiete. Die Wahrscheinlichkeit in Österreich damit infiziert zu werden bezeichnet die AGES als "noch sehr gering". Übertragen wird es von Stechmücken, als Zwischenwirte wurden Wildvögel identifiziert. Schwerwiegende Komplikationen gibt es bei einem Prozent der Fälle.

- Chikungunya: Seit dem Jahr 2005 werden immer wieder Ausbrüche registriert, u.a. auch in Italien. Hauptüberträger sind die Stechmückenarten Aedes aegypti und Aedes albopictus. Als Zwischenwirte wurde Primaten und Nagetiere (vermutet) identifiziert.

- Dengue: Mit Ausbrüchen etwa in Frankreich und Kroatien seit dem Jahr 2010 ist auch das Denguefieber in Europa angekommen. Als Zwischenwirte gelten auch hier Primaten, Hauptüberträger sind erneut die Stechmückenarten Aedes aegypti und Aedes albopictus. Hierzulande werden laut AGES alljährlich 30 bis 120 Dengue-Virus-Infektionen nachgewiesen, die bisher alle bei Reise-Rückkehrern aus Endemie-Gebieten festgestellt wurden.

- Zika: Auch das Zika-Virus verbreiten hauptsächlich diese beiden Stechmückenarten. Seit dem Jahr 2015 ist die Krankheit vor allem in Lateinamerika verbreitet. Sind Schwangere infiziert, kann das erhebliche Spätfolgen für das Kind haben. (apa)