Eine gezielte diätische Maßnahme kann die Symptomlast bei allergischen Reaktionen verringern, heißt es in einer Studie des Messerli Forschungsinstituts der MedUni Wien, Vetmeduni Wien und Uni Wien. Damit schlagen die Forschenden in der Betreuung von Allergikern eine völlig neue Richtung ein. Die Ergebnisse wurden kürzlich in "The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice" publiziert.

Mikronährstoffmängel können Entzündungen fördern und das Immunsystem besonders empfindlich gegenüber allergenen Stoffen machen. Vor allem Eisenmangel signalisiert den Abwehrzellen Gefahr und führt zu einer erhöhten, übertriebenen Immunreaktion.


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The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice Ameliorating Atopy by Compensating Micronutritional Deficiencies in Immune cells: a Double-Blind Placebo-Controlled Pilot Study Bartosik T, Jensen SA, Afify SM, Bianchini R, Hufnagl K, Hofstetter G, Berger M, Bastl M, Berger U, Rivelles E, Schmetterer K, Eckl-Dorna J, Brkic FF, Vyskocil E, Guethoff S, Graessel A, Kramer MF, Jensen-Jarolim E, Roth-Walter F. DOI: https://doi.org/10.1016/j.jaip.2022.02.028

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Eisen dient u.a. zur Beruhigung der Überreaktion

Ein hyperaktives Immunsystem versetzt den Körper in Alarmbereitschaft und hemmt die Aufnahme von Eisen - obwohl genau dieser Mikronährstoff zur Beruhigung der Überreaktion vermehrt gebraucht würde. Um diesen Mangel der Abwehrzellen auszugleichen, entwickelte das Team eine Lutschtablette, die doppel-blind und Placebo-kontrolliert getestet wurde.

Die Lutschtablette basiert auf dem Molkenprotein Beta-Lactoglobulin von Kühen, welches als Träger für zahlreiche Mikronährstoffe fungiert. "Durch diesen Träger erfolgt die Aufnahme statt über Blutgefäße über die Lymphe - also genau dort, wo Abwehrzellen vermehrt anzutreffen sind und die Mikronährstoffe gezielt aufnehmen können", erläuterte Studienleiterin Franziska Roth-Walter vom Messerli Forschungsinstitut.

Da eine Tablette mit weniger als einem Milligramm eine sehr kleine Eisenmenge aufweist, gilt sie nicht als Eisenpräparat. Vielmehr ist der Mikronährstoff darin in einer Form enthalten, mit der die allergiebedingte Hemmung der Eisenaufnahme umgangen werden kann. Nach sechsmonatiger Einnahme in Kombination mit den notwendigen Medikamenten sei in der Hauptsaison der Birkenpollen bei den Patientinnen und Patienten eine 45-prozentige Reduktion der Symptome erreicht worden.

Bisher gilt die Allergen-Immuntherapie als einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit zur Linderung allergischer Erkrankungen. Dabei wird ein Allergen spezifisch gegen die jeweilige Allergie eingesetzt, z. B. Birkenpollen gegen Birkenpollen-Allergie. "Die Versorgung der Abwehrzellen mit Mikronährstoffen über die Lutschtablette zeigte eine ähnlich starke Wirksamkeit, und zwar auf komplett Allergen-unabhängige und daher universelle Weise", sagte Roth-Walter. Durch eine diätische Maßnahme werde nicht die Allergie selbst, sondern die zugrunde liegende Überempfindlichkeit der Abwehrzellen gegenüber allergenen Stoffen herabgesetzt. (apa)