Viren wie Zika oder Dengue sind auf Moskitos angewiesen, um in der Natur überleben zu können. Stechen die Tiere einen infizierten Wirt, infizieren sie sich selbst und können die Viren wiederum auf andere Tiere oder Menschen weiter übertragen. Wie Forscher nun herausgefunden haben, hinterlassen die Erreger dabei einen Duftstoff auf der Haut der Wirte. Dieser veränderte Geruch lockt weitere Moskitos an, die den Wirt stechen, sein infiziertes Blut trinken und das Virus zu seinem nächsten Opfer tragen.

Dengue ist vor allem in tropischen Gebieten weltweit verbreitet. Es verursacht Fieber, Hautausschlag, Blutungen und führt mitunter auch zum Tod. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in einem von Dengue gefährdeten Gebiet. Nach Angaben des US-National Institute of Health gibt es jährlich mehr als 50 Millionen Infizierte und etwa 20.000 Todesfälle.

Zika ist eine weitere durch Mücken verbreitete Viruserkrankung, die zur gleichen Familie wie Dengue gehört. Obwohl es ungewöhnlich ist, dass Zika bei Erwachsenen ernsthafte Erkrankungen verursacht, führen Ausbrüche jedoch bei Ungeborenen infizierter Schwangerer immer wieder zu ernsthaften Geburtsschäden.

Raffinierte Methode

Diese Erreger benötigen eine ständige Infektion in tierischen Wirten sowie in Stechmücken, um sich zu verbreiten. Fehlt beides, weil alle empfänglichen Wirte das Virus ausscheiden oder alle Moskitos sterben, verschwindet das Virus. Ein Beispiel dafür ist ein Gelbfieberausbruch in Philadelphia im Jahr 1973, wo die örtlichen Stechmücken dem einsetzenden Herbstfrost zum Opfer fielen und der Ausbruch endete.

In tropischen Klimazonen allerdings, wo es keinen tödlichen Frost gibt, gibt es immer Mücken. Das Virus benötigt nur eine Einzige, die ein infiziertes Wirtstier sticht, um sich zu verbreiten. Zika- und Dengue-Viren haben dabei eine raffinierte Methode entwickelt, um die Chance ihres Überlebens zu erhöhen.

Ein US-chinesisches Forscherteam hatte schon vermutet, dass diese Viren die Wirte in irgendeiner Weise manipulieren, um Moskitos anzulocken. Sowohl Malaria als auch allgemeine Entzündungen können den Geruch der Menschen verändern. Eine Virusinfektion durch Dengue und Zika könnte das Gleiche bewirken dachten sie.

Zunächst testeten die Immunologen, ob Moskitos eine Vorliebe für infizierte Mäuse zeigten. Und tatsächlich: Ließ man den Mücken die Wahl zwischen gesunden und an Dengue erkrankten Mäusen, wurden die Mücken eher von den infizierten Mäusen angezogen.

Anschließend untersuchten sie die Geruchsmoleküle auf der Haut von infizierten und gesunden Mäusen. Dabei stellten sie fest, dass ein besonders geruchsintensives Molekül, Acetophenon, für Mücken besonders attraktiv war. Hautgeruchsstoffe, die von menschlichen Dengue-Patienten gesammelt wurden, zeigten das gleiche Ergebnis. Sie wirkten auf die Moskitos attraktiver und produzierten das süßlich riechende Acetophenon.

Es wird von einigen Bacillus-Bakterien hergestellt, die auf der Haut sowohl von Menschen als auch von Mäusen wachsen. Normalerweise produziert die Haut ein antimikrobielles Peptid, das die Bacillus-Population in Schach hält. Doch bei Infizierten bildet sich dieses Peptid in viel geringerem Ausmaß und die Bakterien können schneller wachsen.

Vitamin A im Einsatz

"Das Virus kann das Hautmikrobiom des Wirts manipulieren, um mehr Mücken anzulocken und sich schneller auszubreiten", erklärt der Immunologe Penghua Wang von der University of Connecticut. Die Ergebnisse der im Fachblatt "Cell" publizierten Studie können erklären, wie es den Viren gelingt, so lange zu überleben.

Ein Vitamin-A-Derivat namens Isotretinoin könnte Abhilfe schaffen. Es erhöht die Produktion des antimikrobiellen Peptids, was die Anziehungskraft auf Moskitos verringert. Ob dies das Risiko einer Ansteckung auch verhindert, soll in einem nächsten Schritt getestet werden.