Politiker leben länger als die Bevölkerung, die sie vertreten. Das zeigt eine im "European Journal of Epidemiology" veröffentlichte Studie, in der Daten aus elf Ländern analysiert wurden. Hintergrund der Arbeit ist die Tatsache, dass sich in den vergangenen Jahren die Lebenserwartung in vielen Ländern mit hohem Einkommen nicht weiter verbessert hat und in den ärmsten Bevölkerungsgruppen zurückgegangen ist. Dies wird auf wachsende Ungleichheiten zurückgeführt. Die Forscher wollten wissen, ob Berufe mit hohem Status, also etwa jener des Politikers, mit besserer Gesundheit und somit längerem Leben verbunden sind.

Philip Clarke vom Health Economics Research Centre der britischen Universität Oxford und sein Team haben Daten von 57.561 Abgeordneten aus Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Niederlande, Neuseeland, Schweiz, USA und Österreich, also Ländern mit hohem Einkommen, analysiert. In allen Staaten lagen Daten aus dem Zeitraum von 1945 bis 2014 vor, für einzelne Länder auch für längere Zeiträume, etwa für Frankreich von 1816 bis 2016. Der Frauenanteil spannte sich von drei Prozent (Frankreich, USA) bis 21 Prozent (Deutschland). Aus Österreich flossen die Daten von 2.664 Abgeordneten ein.

Bis ins frühe 20. Jahrhundert wiesen Politiker in fast allen Ländern ähnliche Sterblichkeitsraten auf wie die Allgemeinbevölkerung. Im Laufe des 20. Jahrhunderts nahmen die Unterschiede zu. "Politiker haben einen zunehmenden Überlebensvorteil gegenüber der Allgemeinbevölkerung", so die Forscher. In Österreich ist die Wahrscheinlichkeit für Nicht-Politiker, innerhalb des nächsten Jahres zu sterben, 1,33-mal höher als die von Politikern. Ein 45-jähriger Politiker hat eine Lebenserwartung von weiteren 40,1 Jahren, während alle anderen nur 36,2 Jahre vor sich haben - die Differenz beträgt hierzulande 3,9 Jahre.