Die Pandemie-Maßnahmen haben sich laut einer Studie nicht negativ auf die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen von Babys ausgewirkt. Das legen Experimente von Schweizer Forschenden nahe, die das Blickverfolgungsverhalten von Säuglingen untersuchten. Untersucht wurden Säuglinge, die bereits Pandemieerfahrung gesammelt hatten. Dazu gehörte, dass sie vermehrt maskierte Gesichter sahen und aufgrund von Social Distancing weniger Kontakt mit anderen Menschen hatten.

Schon Babys erkennen, wohin jemand seine Aufmerksamkeit richtet. Denn sie lernen schon früh, die Blickrichtung einer anderen Person zu erfassen. Dieses Signal nutzen sie, um sich in der Welt zurecht zu finden. "Diese Fähigkeit ist grundlegend, um soziale Interaktionen eingehen zu können, Beziehungen aufzubauen und die Sprache zu entwickeln", ließ sich Entwicklungspsychologin und Erstautorin Stephanie Wermelinger in einer Mitteilung der Universität Zürich vom Mittwoch zitieren.

Mithilfe von Eye-Tracking beobachtete sie und ihre Kollegen, ob Kleinkinder den Blicken einer Person in einem gezeigten Video folgen. Das Experiment führten sie mit 80 Säuglingen durch, die 12 bis 15 Monate alt waren und in ihrem noch jungen Leben bereits Pandemieerfahrung gesammelt hatten. Dazu gehörte, dass sie vermehrt maskierte Gesichter sahen und wegen Homeoffice der Eltern und dem Aufruf zum Social Distancing im familiären Umfeld mit weniger Menschen in Kontakt kamen. Die Ergebnisse verglichen die Forschenden mit denen von 133 Kindern, die keine Pandemieerfahrung hatten.

Wie sie in der Fachzeitschrift "Infancy" berichten, "zeigten die Ergebnisse keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Stichproben." Beide Gruppen folgten den Blicken gleichermassen. "Wir gehen davon aus, dass die unveränderten sozialen Interaktionen mit Eltern und Bezugspersonen im häuslichen Rahmen ausreichen, um einen möglichen Einfluss der Corona-Pandemie auf Kleinkinder abzufedern", schloss Wermelinger aus der Studie.(apa/sda)