Bei psychischer Belastung und psychiatrischen Erkrankungen wird das Stresshormon Kortisol verstärkt ausgeschüttet und in der Folge in den Haaren gespeichert. Innsbrucker Forscher berichten nun im Fachblatt "EPMA Journal", einen starken Zusammenhang zwischen der Schwere einer Depression und dem Gehalt des Stresshormons Kortisol in Haaren beobachtet zu haben. Das könnte man nutzen, um bei psychisch stark belasteten Personen ein potenzielles Suizidrisiko zu erkennen.

Depression und suizidales Verhalten seien miteinander verbundene, stressassoziierte psychische Erkrankungen, denen es allerdings an biologischer Verifizierbarkeit und der Verfügbarkeit von Biomarkern mangelt, schreiben Alexander Karabatsiakis vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck und sein Team in dem auf prädiktive, präventive und personalisierte Medizin spezialisierten Fachjournal. Bereits frühere Studien haben gezeigt, dass an einer Depression erkrankte Menschen einen erhöhten Kortisolspiegel im Haar aufweisen können. Entsprechende Daten von Personen, die durch Suizid gestorben sind, haben bisher allerdings gefehlt.

Haarproben von 45 Suizidfällen untersucht

Genau das hat Karabatsiakis nun anhand der Haarproben von 45 durch Suizid gestorbenen Personen untersucht. Sie stellten dabei stark erhöhte Kortisolspiegel im Vergleich zu Personen mit und ohne Depressionen fest. "Unsere neuen Beobachtungen könnten für die Prävention von psychischen Erkrankungen nach Stressbelastungen und deren langfristigen Konsequenzen, auch für die körperliche Gesundheit, sehr hilfreich sein", so Karabatsiakis in einer Aussendung.

Weil die Entnahme von Haarproben kaum belastend sei und einfach durchgeführt werden kann, könnte die Messung des Haarkortisolspiegels einen wichtigen Ansatz für personalisierte Medizin und auch in der Suizidprävention darstellen. "Wenn zum Beispiel Hausärzte messen könnten, dass sich ein hormonelles Stresspotenzial im Körper abzeichnet, könnte man eventuell auch bei psychisch stark belasteten Personen ein potenzielles Suizidrisiko erkennen", betonte Karabatsiakis. Dann könne man den medizinischen Fokus auf die Person entsprechend intensivieren, auch wenn der Patient selbst über keine Beschwerden berichte.

Karabatsiakis hält weitere Studien, die das Präventionspotenzial von Haarkortisol untersuchen, sowie vermehrte Forschung zum Thema Suizidalität, Suizidprävention und deren biologischen Mechanismen für "zwingend erforderlich und dringlicher denn je". Dies auch angesichts der relativ kleinen Anzahl an untersuchten Personen in der aktuellen Studie. (apa)