Eine internationale Studie hat bestätigt, dass bei der Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca ein höheres Blutgerinnsel-Risiko besteht als mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Das Risiko nach einer Erstimpfung mit AstraZeneca sei um 30 Prozent höher, hieß es in dem vom Fachmagazin "BMJ" am Donnerstag veröffentlichten ersten Vergleich zwischen den unterschiedlichen Vakzin-Typen. Insgesamt aber sei auch das Risiko bei Vektorimpfstoffen ausgesprochen niedrig.

Bei dem auf Vektorviren basierenden Vakzin von AstraZeneca handelt es sich um eine Impfstoff-Art, die schon vorher gegen andere Erkrankungen zugelassen war. In ganz wenigen Fällen führte das Covid-Vakzin zu Blutgerinnseln (Thrombosen) mit gleichzeitiger Verringerung der Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie), dem potenziell lebensbedrohlichen Thrombozytopenie-Syndrom (TTS).

Laut der ersten Vergleichsstudie, die dafür die Daten von über zehn Millionen Erwachsenen in mehreren europäischen Ländern und den USA heranzog, besteht nach einer ersten Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs ein um 30 Prozent höheres Thrombose-Risiko als nach einer ersten Dosis des neuartigen mRNA-Impfstoffs von Biontech/Pfizer.

Der Studie zufolge traten die Fälle aber auch bei AstraZeneca nur sehr selten auf - demnach wurden insgesamt 862 "Thrombozytopenie-Ereignisse" bei mehr als einer Million Geimpften registriert. Nach der zweiten Dosis gab es den Forschern zufolge keine Unterschiede mehr.

Risiko auch bei Johnson & Johnson möglich

Auch beim Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson deuteten die Daten eher auf ein erhöhtes Risiko hin - aber nicht so deutlich, dass die Forscher zu einer eindeutigen Schlussfolgerung kamen. Obwohl die Blutgerinnsel-Risiken sehr selten seien, sollten sie bei der Planung weiterer Impfkampagnen und der Entwicklung künftiger Impfstoffe berücksichtigt werden, empfehlen sie.

Nach den Worten der an der Studie nicht beteiligten Mikrobiologin Sarah Pitt von der britischen Universität Brighton ergänzt die Studie die "Daten, die zeigen, dass alle Impfstoffe sicher und wirksam sind". Die "extrem seltenen" Fälle von TTS seien nach nur 0,04 Prozent der Impfungen in Deutschland und im Vereinigten Königreich aufgetreten, sagte sie.

Nach Beginn der Impfkampagnen gegen Covid-19 Anfang 2021 wurde schon rasch ein Zusammenhang zwischen Impfstoffen mit viralen Vektoren und TTS bei bestimmten Altersgruppen vermutet und von den Gesundheitsbehörden bei ihren Empfehlungen berücksichtigt. Die europäischen Länder haben inzwischen weitgehend auf mRNA-Impfstoffe umgestellt. Der Impfstoff von AstraZeneca wurde in den USA nie zugelassen und der Impfstoff von Johnson & Johnson zum Jahresbeginn auf bestimmte Personenkreise beschränkt. (apa/ag)