Ist man fuchsteufelswild, kann einem schon mal die Galle überlaufen - zumindest sprichwörtlich. Doch dass Menschen mehr Gallenflüssigkeit produzieren, als sie tatsächlich benötigen, fällt nicht unter literarische Anekdote und ist auch kein medizinisches Geheimnis. Und ein Viertel der Menschen bekommt gar im Laufe ihres Lebens Probleme mit diesem Organ - nämlich dann, wenn die Galle Kristalle ausbildet, die zu unerwünschten Steinen heranwachsen.

Die Galle ist eine gelblich-grüne Flüssigkeit, die in der Leber produziert wird, um Fett im Darmtrakt zu verdauen. Bis ins Mittelalter sind Gelehrte davon ausgegangen, dass Menschen, die leicht in Ärger geraten mehr von dieser Flüssigkeit bilden als jene, die eher ruhig und ausgeglichen sind. Ob sich durch ein Mehr tatsächlich Charaktereigenschaften ableiten lassen, sei dahingestellt. Auf jeden Fall speichert der Körper überschüssige Gallenflüssigkeit. Täglich wird in der Leber bis zu einem Liter davon gebildet. Der größte Teil dieser Gallenflüssigkeit fließt nach der Aufnahme von Nahrung direkt über die Gallenwege in den Zwölffingerdarm, dem ersten Abschnitt des Dünndarms. Der Rest wird zwischen den Mahlzeiten in der Gallenblase gespeichert und eingedickt. Dort können sich Cholesterin- oder Pigmentsteine bilden, erklärt der Chirurg Alexander Butz vom Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Cholesterinsteine entstehen, wie der Name sagt, durch Cholesterin, die Pigmentsteine hingegen bestehen aus Kalzium und Bilirubin, einem Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes.

Neue OP-Techniken

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, Steine zu entwickeln, sodass etwa zwei Drittel der 70-Jährigen Steinträger sind. Davon sind Frauen doppelt so oft betroffen wie Männer. Wodurch genau diese kristallinen Ablagerungen entstehen und vor allem, welche Menschen diese bekommen und welche nicht, "ist multifaktoriell begründet". Übergewichtige Menschen zählen auf jeden Fall häufiger zu den Betroffenen, aber auch jene, die erblich vorbelastet sind.

Mit Gallensteinen lässt es sich oft gut leben - viele Menschen sind ihr Leben lang beschwerdefrei. Doch kann sich die Gallenblase auch entzünden oder die unterschiedlich großen Kristalle machen sich bei einer Kolik auf den Weg in den Hauptgallengang. Diese können ihn verschließen, was wiederum zur Gelbsucht und weiteren Folgen führen kann, erklärt Butz.

Verstopft ein Stein den Abfluss, muss mit einem Eingriff Abhilfe geschaffen werden. Ein solcher Störenfried wird heute endoskopisch entfernt, betont der Mediziner. In einem weiteren Schritt muss die Gallenblase entfernt werden. Dieser erfolgt laparoskopisch. Mit der modernen Methode SILS (single incision laparaskopic surgery) reicht sogar ein einziger, kleiner Schnitt im Nabelbereich. Im selben Eingriff erfolgt mittels ECRP-Methode (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie) die Steinentfernung aus den Gallengängen. Dabei können die Gallengänge, die Blase und der Gang der Bauchspeicheldrüse mit einem Röntgenkontrastmittel und einem speziellen Endoskop dargestellt werden. Die Techniken wurden so weiterentwickelt, dass es heute möglich ist, die Entfernung von Gallensteinen und Gallenblase in einem Schritt durchzuführen.

Ultraschall als Vorsorge

Die Patienten können nach einem solchen Eingriff ein ganz normales Leben führen, erklärt Butz. Für zwei bis drei Wochen ist fettfreie Kost empfohlen.

Hat ein Mensch Gallensteine und mindestens einmal Beschwerden gehabt, sei es sinnvoll, diese zu entfernen, betont Butz. Das bekannte Zertrümmern der Fremdkörper sei nicht sinnvoll, weil die Galle dann grundsätzlich steinbildend ist und immer wieder neue entstehen.

Treten Beschwerden wie diffuse, rechtsseitige Oberbauchschmerzen, Fettunverträglichkeit mit Übelkeit und Erbrechen auf, sollte mittels einer Ultraschalluntersuchung abgeklärt werden, ob Gallensteine die Ursache sind. Der Mediziner plädiert für eine regelmäßige vorsorgliche Ultraschalluntersuchung der Oberbauchorgane.