Das Christkind wirft für gewöhnlich nicht mit Kohle um sich - zumindest nicht mit jenem fossilen Energieträger, den der Weihnachtsmann an Ungezogene verteilt. In der traditionellen Weihnachtsausgabe des "British Medical Journal" plädieren nun eine Medizinerin und ihre Töchter zum Wohle des Weltklimas für ein Ende der festlichen Bestrafung. Überdies erfährt der Leser, wie "Schneemann"-Bauchübungen dem Festtagsspeck ein Schnippchen schlagen.

Alljährlich wartet das Fachblatt in dieser Jahreszeit mit Studienergebnissen auf, die einerseits den britischen Humor widerspiegeln, andererseits auch zum Nachdenken anregen sollen. Immerhin hält sich die traditionelle Praxis, brave Kinder mit Geschenken zu belohnen, aber unartige Kinder mit Kohle zu beschenken, hartnäckig. "Es wäre um Himmels willen gut, wenn die Kohle im Boden bleiben würde", argumentieren die Kinderärztin Tamsin Holland Brown sowie Lilac und Marigold. Dieser nicht erneuerbare fossile Brennstoff verschärfe nicht nur die Klimakrise, sondern wirke sich auch negativ auf die Luftqualität aus und beeinträchtige damit die Gesundheit von Kindern.

Die drei Autorinnen plädieren dafür, Ungezogenheit zu belohnen, und zitieren dabei die Umweltaktivistin Greta Thunberg, die Millionen von Kindern zu Schulstreiks für das Klima inspiriert hat. Wie Thunberg sagt, können Kinder "die Welt nicht retten, indem sie sich an die Regeln halten", also verdienen diese Kinder es, auf der Nettigkeits- und nicht auf der Ungezogenenliste zu stehen, schlagen die Autorinnen vor.

Als Alternative zur Strafkohle könnten recycelte und upgecycelte Geschenke, pflanzliche Lebensmittel, Spaziergänge und Radtouren, inspirierende Romane oder sogar Stabheuschrecken zum Schenken angedacht werden.

Lilac und Marigold geben zwar selbst zu, dass sie die Schule geschwänzt haben, um an einem Klimamarsch 2019 teilzunehmen, weisen in der Studie aber darauf hin, dass "Kohle ein fossiler Brennstoff ist, und wenn man Kindern Kohle gibt, bedeutet das, dass die Erwachsenen die Bösen sind". "Wir müssen nett zur Welt sein", schließen sie.

Snowman-Situps gegen Kilos

Eine weitere Studie hat nicht die Gesundheit der Welt, sondern die des Einzelnen im Blickfeld. Sie ruft zu körperlicher Betätigung in der Adventszeit auf, um die Folgewirkung des Festtagsbratens hintanzuhalten. Denn die Weihnachtsfeiertage sind eine besonders risikoreiche Zeit für körperliche Inaktivität und Gewichtszunahme, betonen Wissenschafter um den Lifestyle-Mediziner Gregory Biddle von der Loughborough University. So gebe es Hinweise darauf, dass Menschen während dieser Zeit etwa 0,4 bis 0,9 Kilogramm an Gewicht zunehmen.

Für eine Pilotstudie rekrutierten sie 107 inaktive Erwachsene. Die 71 Teilnehmer der Interventionsgruppe - 36 Probanden bildeten die Kontrollgruppe - erhielten während der Adventszeit 2021 täglich eine E-Mail mit einer weihnachtlichen Idee für körperliche Aktivitäten, die sie an diesem Tag durchführen sollten. Dazu zählten Sternsprünge, "Dasher the reindeer"-Sprints, "Lay the table"-Planken, "Rocking around the Christmas tree"-Tänze oder "Snowman-Situps". Jede Übung wurde in drei Schwierigkeitsstufen angeboten - Easy Elf (niedrige Intensität), Moderate Mrs Claus (mittlere Intensität) oder Strenuous Santa (hohe Intensität).

70 Prozent der Interventionsgruppe waren von der Idee positiv angetan, 69 Prozent von ihnen führten die Übungen täglich aus, heißt es in der Studie. "Die Teilnehmer waren an einer weihnachtlichen Bewegungsintervention interessiert, die auch die sitzende Zeit reduzierte und vielversprechend war, um die Teilnahme an körperlicher Aktivität zu erhöhen", schreiben die Autoren.