Mandarinen schälen und nichts riechen. Speisen kochen und nicht merken, dass etwas anbrennt. Nahrungsmittel zu sich nehmen und nicht wahrnehmen, dass etwas verdorben ist. Beispiele wie diese gibt es zur Genüge. Begonnen hat alles mit Covid-19. Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns ist eines der am weitesten verbreiteten Symptome. Während ihn manche Menschen recht schnell wiedererlangen, leiden einige lange Zeit an diesem Zustand. Der Grund dafür hängt mit einem anhaltenden Immunangriff auf die Nervenzellen des Geruchssinns und einem damit verbundenen Rückgang der Anzahl dieser Zellen zusammen, berichtet nun ein Forscherteam unter Federführung des Duke University Medical Center in Durham in "Science Translational Medicine".

Der medizinische Fachbegriff dafür lautet Anosmie. Dabei handelt es sich um den vollständigen Verlust des Geruchssinns. Hyposmie ist dagegen der teilweise Verlust. Die meisten Patienten mit Anosmie können zwar salzige, süße, saure und bittere Substanzen am Geschmack erkennen, aber keine bestimmten Aromen unterscheiden.

Anhaltende Entzündung

"Glücklicherweise erholen sich viele Menschen, deren Geruchssinn in der akuten Phase einer Virusinfektion beeinträchtigt ist, innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen wieder, aber manche nicht", erklärt Hauptautor Bradley Goldstein. "Wir müssen besser verstehen, warum bei dieser Untergruppe von Menschen dieser Sinn noch Monate bis Jahre nach der Infektion mit Sars-CoV-2 beeinträchtigt ist."

In der Studie analysierten die Forscher aus Durham gemeinsam mit Kollegen der Harvard University und der University of California in San Diego Epithelproben aus 24 Biopsien, darunter neun Patienten, die nach Covid-19 langfristig an Geruchsverlust litten.

Dieser auf Biopsien basierende Ansatz zeigte eine weit verbreitete Infiltration von T-Zellen, die eine Entzündungsreaktion im Riechepithel, dem Gewebe in der Nase, in dem sich die Geruchsnervenzellen befinden, hervorrufen. Dieser einzigartige Entzündungsprozess hielt auch an, obwohl keine Sars-CoV-2-Spiegel nachweisbar waren.

Zudem war die Zahl der Geruchsnervenzellen vermindert, was möglicherweise auf eine Schädigung des empfindlichen Gewebes durch die anhaltende Entzündung zurückzuführen ist, erklären die Studienautoren.

"Die Ergebnisse sind verblüffend", betont Goldstein. "Es ähnelt fast einem autoimmunähnlichen Prozess in der Nase." Das Wissen darüber, welche Zelltypen beteiligt sind, sei ein wichtiger Schritt zur Entwicklung von Behandlungsmethoden, erklären die Forscher. Sie seien ermutigt, dass die Neuronen auch nach dem langfristigen Angriff des Immunsystems eine gewisse Reparaturfähigkeit zu behalten scheinen.

Neue Therapieansätze

"Wir hoffen, dass die Modulation der abnormalen Immunreaktion oder der Reparaturprozesse in der Nase dieser Patienten dazu beitragen könnte, den Geruchssinn zumindest teilweise wiederherzustellen", so Goldstein.

Therapieansätze gibt es. Wenn die Patienten täglich mit intensiven Düften üben, funktionieren Nase und Gaumen in manchen Fällen langsam wieder besser. Das jedoch nur, wenn noch ein bisschen Geruchssinn übrig ist. Das Riechtraining hilft daher nur einigen Betroffenen. Auch können Kortikoide - Hormone, die in der Nebennierenrinde gebildet werden und für Medikamente künstlich hergestellt werden - verabreicht werden. Sie aktivieren im Körper bestimmte Rezeptoren und setzen entzündungshemmende Prozesse in Gang. Allerdings gibt es nur wenige Hinweise, ob die üblichen Kortikoide tatsächlich helfen, den Geruchssinn wiederzuerlangen. Zudem hemmen diese Arzneimittel die Leistung des Immunsystems, wodurch Patienten anfälliger für andere Krankheiten werden.

Nun erhoffen sich die Wissenschafter Ansätze für neue Behandlungsmethoden. Die Ergebnisse der Studie könnten auch als Grundlage für die weitere Erforschung anderer langjähriger Covid-19-Symptome dienen, bei denen möglicherweise ähnliche Entzündungsprozesse ablaufen.