Sars-CoV-2 sollte nicht den Blick auf andere per Impfung verhütbare Erkrankungen verdecken. Im "Impfplan Österreich 2023" warnt das Gesundheitsministerium vor weniger Impfschutz gegen Influenza und Masern bei Kindern. Dass Letzteres sich mit Verzögerung als Risiko erweisen kann, zeigt derzeit ein Ausbruch von Masern in Indien. Zwar ist die Immunisierung auf dem Subkontinent niedriger, doch gerade während der Pandemie wurden zahlreiche Kinder nicht gegen Masern geimpft.

Wie jedes Jahr hat ein breites Expertengremium im österreichischen Impfplan Stand und Empfehlungen zu den Immunisierungen zusammengefasst. "Die derzeitige pandemische Situation erfordert eine Erhöhung der Covid-19-Durchimpfungsraten, sodass möglichst viele Menschen Covid-19-Impfungen gemäß den gültigen Empfehlungen erhalten", heißt es in den Vorbemerkungen. Zusätzlich dürften andere Impfungen nicht vernachlässigt werden. So seien vor allem Anstrengungen zur Reduktion des Erkrankungsrisikos an Keuchhusten, Masern und Influenza weiter notwendig.

Derzeit ist die Influenza-Welle voll im Gang. Wer sich impfen lässt, ist in zehn bis 14 Tagen geschützt. Der Impfplan: "Es ist anzunehmen, dass es zu einer weiteren Co-Zirkulation mit Sars-CoV-2 kommt. Bei gleichzeitiger Zirkulation ist eine Doppelinfektion oder sequenzielle Infektion nicht auszuschließen." Schwere Verläufe seien vor allem bei Risikogruppen möglich. Es sei anzunehmen, dass Grippe das Risiko für eine schwere Covid-19-Verlaufsform erhöht und umgekehrt. Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, chronisch Kranke und ältere Menschen ab 60 Jahren seien besonders gefährdet.

Anhaltend schwierig sehe die Situation rund um die Masern aus. "Seit dem Ausbruch 2008 mit 443 Fällen war Österreich bis 2020 jährlich mit Ausbrüchen vor allem in der Altersgruppe der 15- bis 40-Jährigen, gefolgt von den weniger als Fünfjährigen, konfrontiert", heißt es in dem Papier. 2020 wurden in Österreich lediglich 25 Fälle von Masern gemeldet, 2021 deren zwei. Dies sei aber im Lichte der Covid-19-Lockdowns zu sehen, die die Verbreitung von Mensch zu Mensch einschränkten. Die Zahl der dokumentierten Impfungen sei um bloß fünf Prozent zurückgegangen, jedoch vor allem bei ganz kleinen Kindern.